ESG-Daten · Interne Verantwortlichkeiten

ESG-Daten vom Kunden angefragt: Wer im Unternehmen liefert welche Informationen?

Ein Kunde schickt einen ESG-Fragebogen. Die Datei landet bei Einkauf, Qualität, Geschäftsführung oder bei der Person, die gerade als Kontakt im Kundenportal hinterlegt ist.

Diese Person kann den Fragebogen koordinieren. Aber sie besitzt normalerweise nicht alle Informationen, die für eine belastbare Antwort benötigt werden.

Wer besitzt für jeden Datenpunkt die verlässlichste interne Quelle?

Stromverbrauch kann in Finance liegen, Kältemittel bei Facility, Mitarbeiterdaten bei HR und Zertifikate im Qualitätsmanagement. Dieser Leitfaden zeigt eine praktische, nicht universell vorgeschriebene Data-Owner-Struktur für produzierende Unternehmen.

Quick Answer

Wer liefert typischerweise welche ESG-Daten?

Die genaue Organisation ist in jedem Unternehmen anders. Diese Zuordnung ist eine praktische Orientierung für ein typisches produzierendes KMU.

01

Geschäftsführung

  • Unternehmensangaben und Verantwortlichkeiten
  • Nachhaltigkeitsziele und Governance
  • formelle Policy-Freigaben
  • Bestätigung strategischer Aussagen

02

Finance / Controlling

  • Umsatz und Bilanzdaten
  • Strom- und Gasrechnungen
  • Energieeinkäufe
  • Kraftstoffkosten und quantitative Unternehmensdaten

03

HR

  • Mitarbeiterzahl, FTE und Headcount
  • Vertragsarten und Trainingsstunden
  • Tarifbindung
  • weitere Workforce-Kennzahlen

04

Qualität / Umwelt / HSE

  • ISO-Zertifikate und Managementsysteme
  • Auditunterlagen und Umweltprozesse
  • Arbeitssicherheit
  • Abfall- und Umweltkennzahlen

05

Facility / Operations / Produktion

  • Energieverbrauch und Anlagen
  • Brennstoffe und Kältemittel
  • Wasser
  • Produktions- und Prozessdaten

06

Einkauf / Supply Chain

  • Lieferantenprozesse und Supplier Code
  • nachhaltige Beschaffung
  • Rohstoffinformationen
  • Lieferantenbewertungen und Materialdaten

07

Compliance / Legal

  • Antikorruption und Code of Conduct
  • Hinweisgebersystem
  • Compliance-Prozesse
  • bestätigte Vorfälle und Governance-Angaben

08

Engineering / Produkt / Technik

  • Produktmaterialien und Stücklisten
  • technische Produktspezifikationen
  • Materialgewichte und Recyclinganteile
  • Produkt- oder Prozessinformationen

Eine Person koordiniert.
Die Fachbereiche liefern die Quellen.
Verantwortliche Personen bestätigen die Aussagen.

01

ESG ist kein einzelnes Fachgebiet.

Ein Nachhaltigkeitsfragebogen kann gleichzeitig Fragen zu Umwelt, Menschenrechten, Arbeitssicherheit, Unternehmensethik, Beschaffung, Lieferantenmanagement, Emissionen und Zertifizierungen enthalten. Nicht jeder Fragebogen enthält jedes dieser Themen.

Der BMW Group Supplier Sustainability Questionnaire ist ein reales Beispiel für diese thematische Breite. Auch der 2026 Voluntary Standard im EFRAG Knowledge Hub verbindet unter anderem Energie, Treibhausgasemissionen, Wasser, Abfall, Workforce, Arbeitsunfälle, Vergütung und Weiterbildung in einem Reporting-System.

ESG-Koordination kann zentral sein. ESG-Daten sind es meistens nicht.

02

Zuerst den Fragebogen strukturieren – dann Aufgaben verteilen.

Ein häufiger Fehler ist, den kompletten Excel-Fragebogen an HR, Finance, Qualität, Einkauf und Geschäftsführung weiterzuleiten – verbunden mit der Bitte, „die eigenen Fragen“ zu beantworten.

Das führt häufig zu mehreren Dateiversionen, widersprüchlichen Antworten, doppelter Arbeit, fehlenden Quellen und unklarer Verantwortung.

  1. 01Fragen zuerst zentral analysieren.
  2. 02Jede Frage einem Thema zuordnen.
  3. 03Data Owner identifizieren.
  4. 04Nur die tatsächlich benötigte Information anfordern.
  5. 05Quelle beziehungsweise Nachweis mit anfordern.

Zu allgemein

„Bitte ESG-Fragebogen ausfüllen.“

Gezielte Anfrage

„Wir benötigen für Werk A den Stromverbrauch 2025 in kWh sowie die zugrunde liegende Jahresabrechnung.“

Wenn zunächst unklar ist, welche Informationen überhaupt gefragt sein können, bietet der Leitfaden Welche ESG-Daten verlangen Kunden von Lieferanten? eine Orientierung. Den Gesamtprozess nach Eingang einer Anfrage erklärt anschließend ESG-Fragebogen vom Kunden erhalten – was jetzt?

03

Eine praktische ESG Data Owner Map.

Unternehmensdaten

Typischer Data Owner
GF / Finance
Typische Informationen
Umsatz, Gesellschaft, Standorte
Typische Quelle
Abschluss / Stammdaten

Energie

Typischer Data Owner
Finance / Facility
Typische Informationen
Strom, Gas, Wärme
Typische Quelle
Rechnungen / Zähler

Scope 1 & 2

Typischer Data Owner
Operations / Finance / ESG
Typische Informationen
Aktivitätsdaten, Emissionen
Typische Quelle
Rechnungen + Berechnung

Kältemittel

Typischer Data Owner
Facility / Technik
Typische Informationen
Stoff, nachgefüllte kg
Typische Quelle
Serviceprotokolle

Workforce

Typischer Data Owner
HR
Typische Informationen
Headcount, FTE, Verträge
Typische Quelle
HR-System

Training

Typischer Data Owner
HR / Fachbereich
Typische Informationen
Stunden, Teilnahmen
Typische Quelle
Trainingsregister

Arbeitssicherheit

Typischer Data Owner
HSE / HR
Typische Informationen
Unfälle, Prozesse
Typische Quelle
Unfallregister

Umweltmanagement

Typischer Data Owner
Qualität / Umwelt
Typische Informationen
ISO, Prozesse
Typische Quelle
Zertifikate / EMS

Abfall

Typischer Data Owner
HSE / Facility
Typische Informationen
Mengen, Abfallarten
Typische Quelle
Entsorgerdaten

Wasser

Typischer Data Owner
Facility / Produktion
Typische Informationen
Verbrauch / Entnahme
Typische Quelle
Rechnungen / Zähler

Ethics

Typischer Data Owner
Compliance / GF
Typische Informationen
Antikorruption, Code
Typische Quelle
Policies

Lieferanten

Typischer Data Owner
Einkauf
Typische Informationen
Supplier Code, Prozesse
Typische Quelle
Procurement-Unterlagen

Materialien

Typischer Data Owner
Einkauf / Produktion
Typische Informationen
Materialmengen
Typische Quelle
ERP / Einkauf

Produktdaten

Typischer Data Owner
Engineering / Produkt
Typische Informationen
Zusammensetzung, Gewicht
Typische Quelle
BOM / technische Daten

Diese Tabelle ist keine universelle Organisationsvorgabe. In einem Unternehmen kann Energie bei Controlling liegen, im nächsten bei Facility und im dritten beim Energiemanager.

Entscheidend ist die Quelle – nicht der Abteilungsname.

04

Geschäftsführung: Aussagen, die nicht einfach aus Excel kommen.

Bestimmte Fragen lassen sich nicht ausschließlich aus einem System exportieren: Wer trägt Verantwortung für Nachhaltigkeit? Gibt es definierte Umweltziele? Welche Unternehmensrichtlinien gelten? Welche Governance-Strukturen bestehen?

Hier ist häufig eine Bestätigung durch Geschäftsführung, Management oder eine entsprechend autorisierte Person notwendig.

Policies benötigen Freigabe

Eine externe Person sollte nicht selbst entscheiden, dass das Unternehmen eine Human Rights Policy besitzt. Die Policy muss tatsächlich existieren und ordnungsgemäß verabschiedet sein.

05

Finance und Controlling: Hier beginnt ein großer Teil der Umwelt-Datensammlung.

Viele Umweltinformationen wirken technisch. Die Ausgangsdaten liegen trotzdem häufig in der Buchhaltung: Strom- und Gasrechnungen, Fernwärme, Heizöllieferungen sowie teilweise Tankkartenabrechnungen.

Strom

Jahres- oder Monatsabrechnungen und Verbrauch in kWh

Erdgas

kWh, m³ und Rechnungszeitraum

Fernwärme

MWh oder kWh und Rechnungen

Heizöl / Fuhrpark

Liefermengen, Liter, Tankkarten und Ausgaben

Finance besitzt häufig Originalbelege, muss aber nicht automatisch die finale ESG-Kennzahl berechnen. Aus 420.000 kWh Erdgas wird erst mit Einheit, Bilanzgrenze, Emissionsfaktor, Faktorquelle und Berechnung eine Scope-1-Kennzahl.

Data Owner und Calculation Owner können unterschiedliche Personen sein.

06

HR: Workforce-Daten sind mehr als nur die Mitarbeiterzahl.

ESG-Fragebögen fragen häufig nach Mitarbeiterzahl, Headcount, FTE, Geschlecht, Vertragsarten, Trainings, Arbeitssicherheit, Tarifbindung, Fluktuation oder weiteren Workforce-Kennzahlen. Auch der aktuelle Voluntary Standard enthält mehrere solcher Datenpunkte.

Vor einer internen Anfrage sollte deshalb klar sein:

  • Welche Definition: Headcount oder FTE?
  • Welcher Zeitpunkt: Jahresende, Durchschnitt oder anderer Stichtag?
  • Welcher Scope: Gesellschaft, Standorte oder Konzern?
  • Welche Vertragsarten beziehungsweise Workforce-Kategorien sind gefragt?

Eine Zahl wie „184 Mitarbeitende“ ist ohne Scope und Definition weniger eindeutig, als sie aussieht.

07

Arbeitssicherheit kann zwischen HR, HSE und Produktion liegen.

Je nach Unternehmensstruktur liegen Health-&-Safety-Daten bei HR, HSE, Qualitätsmanagement, Operations oder einer externen Arbeitssicherheitsfachkraft.

  • Arbeitsunfälle und Unfallraten
  • Schulungen und Sicherheitsprozesse
  • Gefährdungsbeurteilungen
  • Arbeitsschutzmanagementsystem und ISO 45001

Die Person, die eine Policy besitzt, besitzt nicht automatisch die Unfallstatistik. Ein Policy-Dokument kann bei Quality liegen, Unfallzahlen bei HR und Trainingsunterlagen bei Operations.

08

Qualität / Umweltmanagement: Häufig die wichtigste Dokumentenquelle.

In vielen Produktionsunternehmen liegen hier bereits ISO 14001, ISO 45001, ISO 50001, weitere Zertifizierungen, Auditberichte, Managementsystem-Dokumentation, Umweltprozesse, Policies und Maßnahmenpläne.

Prüfen Sie zuerst die bestehende operative Dokumentation, bevor ESG ein paralleles Dokumentenuniversum aufbaut.

Die beste Quelle ist häufig das Dokument, das das Unternehmen ohnehin operativ verwendet – nicht eine zweite ESG-Version desselben Dokuments.

09

Facility und Technik: Hier liegen Daten, die auf Rechnungen oft fehlen.

Finance sieht

Klimaanlagen-Service: 1.420 €

Technik dokumentiert

R410A – 2,3 kg nachgefüllt

Die technische Information liegt eher bei Facility, Instandhaltung, technischem Service oder einem externen Wartungsunternehmen. Dasselbe gilt für Zählerstände, Kälteanlagen, Wärmepumpen, Generatoren, Heiztechnik, eigene Energieanlagen und Wasserzähler.

Kaufmännische Quelle + technische Quelle.

10

Produktion / Operations: Unternehmensrealität statt nur Dokumentation.

Bestimmte Informationen können nur Personen liefern, die den tatsächlichen Betrieb kennen: welche Anlagen genutzt werden, wo Brennstoffe eingesetzt werden, welche Prozesse Materialien verbrauchen, welche Abfälle entstehen und wie Umweltmaßnahmen tatsächlich funktionieren.

Eine Policy kann sagen: „Wir reduzieren Produktionsabfälle.“ Operations kann beantworten: Wie? Und welche Daten zeigen das?

Policy → tatsächliche Maßnahme → messbare Information

11

Fuhrpark: Kraftstoffdaten nicht aus Kosten schätzen, wenn Liter verfügbar sind.

Wenn Scope 1 gefragt wird, kann der eigene beziehungsweise kontrollierte Fuhrpark relevant sein. Typische Quellen sind Tankkartenanbieter, Flottenmanagement, Finance und die fuhrparkverantwortliche Person.

Bevorzugte Ausgangsbasis

12.480 Liter Diesel

statt nur 19.700 € Tankkosten, wenn physische Mengen verfügbar sind.

Für Emissionsberechnungen sind physische Aktivitätsdaten normalerweise die bessere Ausgangsbasis. Das schließt andere methodisch begründete Ansätze bei tatsächlich fehlenden Mengeninformationen nicht pauschal aus. Vertiefend: Scope 1 und Scope 2: Welche Daten braucht man? und Scope 1 und Scope 2 berechnen.

12

Einkauf: Besonders wichtig für Supplier- und Materialfragen.

Procurement besitzt oft Informationen über Lieferantenstruktur, Supplier Code of Conduct, Lieferantenbewertungen, nachhaltige Beschaffungsprozesse, Rohstoffe, Materiallieferanten, bestimmte Herkunftsinformationen und Lieferanten-Zertifikate.

Wenn ein Supplier Code neu vorbereitet oder aktualisiert wird, hilft der Leitfaden Supplier Code of Conduct strukturiert erstellen, Erwartungen, Geltungsbereich, Freigabe und Anwendung nicht mit Lieferanten-Compliance zu verwechseln.

Der BMÖ Lieferanten-Nachhaltigkeitsfragebogen beschreibt bei seiner Entwicklung ausdrücklich die Einbindung interner Fachleute unter anderem aus Nachhaltigkeit und Einkauf.

Das macht Procurement zu einer wichtigen Schnittstelle, aber nicht automatisch zum Owner jeder ESG-Information in der Lieferkette.

13

Produkt- und Materialdaten brauchen oft Engineering, Einkauf und Produktion gemeinsam.

Manche Kunden fragen nach Produktmaterialien, Aluminiumanteilen, Recyclinganteilen, Herkunft, Bauteilgewicht oder produktspezifischen Emissionsinformationen. Dann reichen Corporate ESG-Daten nicht mehr.

Engineering

BOM, technische Zeichnungen und Produktspezifikationen

Einkauf

Materiallieferanten, Einkaufsmengen und Materialdeklarationen

Produktion

tatsächlicher Materialeinsatz, Ausschuss und Prozessdaten

Qualität

Materialzertifikate und Prüfunterlagen

Unternehmensdaten und Produktdaten sind zwei unterschiedliche Ebenen.

15

Wer ist eigentlich der „Owner“ eines ESG-Datenpunkts?

Ein Datenpunkt kann vier verschiedene Rollen haben. Eine Person kann mehrere davon übernehmen, aber die Rollen sind nicht automatisch identisch.

1 — Source Owner

Besitzt die Originalinformation. Beispiel: Finance besitzt die Stromrechnung.

2 — Calculation Owner

Berechnet aus Quellen eine Kennzahl. Beispiel: Scope-2-Emissionen.

3 — Statement Owner

Kann die fachliche Richtigkeit einer Aussage bestätigen. Beispiel: HSE bestätigt den Arbeitssicherheitsprozess.

4 — Approver

Darf eine formelle Aussage oder Policy freigeben. Beispiel: Geschäftsführung verabschiedet eine Environmental Policy.

16

Beispiel: Eine einzige Scope-2-Zahl kann mehrere Owner haben.

Der Kunde fragt: „Wie hoch waren Ihre Scope-2-Emissionen 2025?“ Die Datenkette kann mehrere Stellen verbinden.

Finance

842.000 kWh und die Stromrechnung

Einkauf

gegebenenfalls Stromvertrag, Tarif und Beschaffungsinformationen

Facility

Standorte, Zähler und technische Abgrenzung

Calculation Owner

Methode, Emissionsfaktor, Faktorquelle und Ergebnis

Koordination / Management

Scope, Berichtszeitraum und Konsistenz zur Kundenanfrage

„Scope 2 gehört Finance“ ist zu grob. Finance besitzt vielleicht nur einen wichtigen Teil der Datenkette.

17

Beispiel: Eine Policy braucht andere Rollen.

Der Kunde fragt, ob eine Environmental Policy existiert. Quality oder Environment kann das Dokument finden, Operations kann die reale Umsetzung beschriebener Praktiken bestätigen und Management kann die formelle Verabschiedung bestätigen.

Existiert die Praxis, aber noch keine formelle Policy, kann ein Entwurf vorbereitet werden. Gültig wird die Richtlinie erst durch:

Review → Korrektur → autorisierte Verabschiedung

Ein externer Anbieter sollte weder Praxis erfinden noch eine Kunden-Policy selbst freigeben oder rückdatieren.

18

Geben Sie Fachbereichen kleine Datenanfragen – nicht den ganzen Fragebogen.

Statt HR die Seiten 18 bis 29 eines Kundenfragebogens interpretieren zu lassen, kann eine gezielte Anfrage so aussehen:

Anfrage an HR

  • Headcount zum 31.12.2025
  • FTE zum 31.12.2025
  • Anteil permanent / temporary
  • Trainingsstunden im Jahr 2025
  • Scope: Beispiel GmbH Deutschland
  • Quelle beziehungsweise HR-Auswertung beilegen

HR muss so die Kundenlogik nicht selbst interpretieren, die Koordination behält die Kontrolle über die finale Antwort und die Originalquelle bleibt erhalten.

19

Eine interne Anfrage sollte fünf Dinge enthalten.

  1. 1 — Was brauchen wir?

    Den exakten Datenpunkt.

  2. 2 — Für wen?

    Die Gesellschaft beziehungsweise den Standort.

  3. 3 — Für welchen Zeitraum?

    Die Berichtsperiode oder den Stichtag.

  4. 4 — In welcher Einheit oder Definition?

    Zum Beispiel kWh, Liter, FTE, Stunden oder Tonnen.

  5. 5 — Welche Quelle oder welcher Nachweis?

    Zum Beispiel Rechnung, ERP-Auswertung, Policy oder Zertifikat.

So wird aus „Der Kunde will ESG-Daten“ eine beherrschbare interne Aufgabe.

20

So kann eine interne ESG Request Map aussehen.

Scope 1 2025

berechnen
Benötigter Datenpunkt
tCO₂e
Source Owner
Finance + Operations
Bestätigung
Calculation Review
Nachweis
Workbook

Strom 2025

bereit
Benötigter Datenpunkt
kWh
Source Owner
Finance
Bestätigung
Facility
Nachweis
Rechnung

Mitarbeiterzahl

bereit
Benötigter Datenpunkt
Headcount
Source Owner
HR
Bestätigung
HR
Nachweis
HR-Auswertung

ISO 14001

bereit
Benötigter Datenpunkt
gültiges Zertifikat
Source Owner
Quality
Bestätigung
Quality
Nachweis
Zertifikat

Umweltpolitik

prüfen
Benötigter Datenpunkt
Policy
Source Owner
Environment
Bestätigung
GF
Nachweis
Policy

Supplier Code

bereit
Benötigter Datenpunkt
gültiges Dokument
Source Owner
Einkauf
Bestätigung
Einkauf / GF
Nachweis
Policy

Korruptionsfälle

bestätigen
Benötigter Datenpunkt
Anzahl
Source Owner
Compliance
Bestätigung
GF / Legal
Nachweis
Bestätigung

Abfall

beschaffen
Benötigter Datenpunkt
t nach Typ
Source Owner
HSE
Bestätigung
HSE
Nachweis
Entsorgerreport

Empfohlene Statuswerte:

bereitbeschaffenberechnenbestätigenprüfenGapnicht anwendbar
21

„Nicht vorhanden“ ist nicht dasselbe wie „noch nicht gefunden“.

Noch nicht beschafft

Niemand hat die vorhandene Stromrechnung geschickt.

Zu berechnen

Die Stromrechnung existiert, Scope 2 wurde aber noch nie berechnet.

Zu bestätigen

Die Policy existiert, ihre Freigabe ist jedoch unklar.

Dokumentations-Gap

Die Unternehmenspraxis existiert, wurde aber nie formal dokumentiert.

Realer Gap

Die zugrunde liegende Praxis existiert tatsächlich nicht.

Nicht gesammelt, zu berechnen, zu bestätigen, Dokumentations-Gap und realer Gap sind fünf verschiedene Situationen.

22

Was tun, wenn zwei Abteilungen unterschiedliche Zahlen liefern?

Finance

810.000 kWh

Facility

846.000 kWh

Nicht mitteln und nicht die günstigere Zahl auswählen. Vergleichen Sie Scope, Zeitraum, Quelle, Einheit und Abgrenzung. Sind dieselben Standorte enthalten? Kalender- oder Abrechnungsjahr? Rechnung oder Zähler? Ist Eigenstrom enthalten oder ein Mieter herausgerechnet?

Konsistenz entsteht durch Source Reconciliation – nicht durch Auswahl der schöneren Zahl.

23

Jede Zahl sollte eine Herkunft haben.

Für einen belastbaren ESG-Prozess sollte die Datenkette nachvollziehbar bleiben:

Traceability Chain

Kundenfrage → Datenpunkt → Source Owner → Originalquelle → Berechnung / Aussage → Review → finale Antwort

Quantitative Daten sollten zusätzlich Einheit, Zeitraum, Faktor, Faktorversion und Annahmen behalten. Bei Policies sind Version, Scope, Freigabe und Gültigkeit relevant.

Diese Struktur bildet ein Evidence Register: Die finale Zahl bleibt mit der zugrunde liegenden Quelle verbunden. Vertiefend erklärt unser Leitfaden, welche ESG-Nachweise für Lieferanten tatsächlich zu einer Aussage passen. Wenn ein konkretes Dokument vorliegt, hilft die ESG-Nachweise-Checkliste bei Aussage, Scope, Zeitraum und Quelle. Die Grundsätze unserer Prüfung finden Sie unter Unsere Methodik.

24

EcoVadis und IntegrityNext machen interne Koordination nicht überflüssig.

Plattformzugang löst nicht automatisch das Data-Ownership-Problem. IntegrityNext beschreibt im eigenen Help Center, wie Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen zum Supplier Profile eingeladen werden können, um Assessments zu prüfen, zu bearbeiten und zu aktualisieren.

Das bestätigt einen einfachen Punkt: Plattformzugang ersetzt keine interne Zuständigkeit. Ein Fragebogen kann zentral koordiniert werden, HR-, Umwelt- und Procurement-Daten benötigen aber weiterhin ihre fachlichen Quellen.

Evipace ist unabhängig von IntegrityNext und EcoVadis und weder deren offizieller Partner noch deren Validierungsstelle.

25

VSME zeigt, warum eine wiederverwendbare Data Owner Map sinnvoll ist.

Der aktuelle Voluntary Standard umfasst unter anderem Unternehmensinformationen, Energie, Emissionen, Wasser, Abfall, Materialien, Workforce, Arbeitssicherheit und Training.

Wenn intern bereits klar ist, dass B3 Energie beispielsweise bei Finance und Facility, B8 Workforce bei HR und B9 Arbeitssicherheit bei HSE beginnt, kann dieselbe Struktur auch Kundenanfragen unterstützen.

Weiterlesen: VSME: Welche Daten braucht ein Nachhaltigkeitsbericht?

26

Der eigentliche Hebel: Data Owner einmal definieren, mehrfach nutzen.

Ein Kunde fragt nach dem Stromverbrauch 2025. Ein weiterer Kunde fragt später nach „Total electricity consumption“. EcoVadis fragt nach Energiedaten und VSME benötigt B3. Die Formulierungen ändern sich, die interne Quelle häufig nicht.

Wiederverwendbare Struktur

ESG-Datenpunkt → Owner → Quelle → Zeitraum → Nachweis → letzte Prüfung

Dann muss beim nächsten Fragebogen nicht das Unternehmen erneut durchsucht werden. Nur die neue Kundenformulierung wird mit der vorhandenen Datenbasis verbunden. Wie daraus eine wiederverwendbare ESG-Datengrundlage entsteht, erklärt der Reuse-Leitfaden.

Sind die Verantwortlichen zugeordnet, führt die vollständige ESG-Fragebogen-Checkliste durch Datensammlung, Evidence Review und Einreichung.

27

Braucht jedes Unternehmen einen ESG Manager?

Nein. Gerade kleinere und mittlere Produktionsunternehmen können ESG-Anfragen auch ohne eigene Sustainability-Abteilung strukturieren.

Zentrale Koordination

Zum Beispiel Qualität, Operations, Finance, Geschäftsführung oder ESG-Koordination.

Fachliche Data Owner

Zum Beispiel HR, Einkauf, Facility und Finance.

Management Approval

Dort, wo formelle Aussagen oder Policies eine autorisierte Freigabe benötigen.

Entscheidend ist weniger „Haben wir einen ESG Manager?“ als „Wissen wir, wer welche Information besitzt?“

28

Wer sollte die finale Antwort an den Kunden kontrollieren?

Am Ende sollte eine zentrale Person beziehungsweise ein zentraler Prozess den gesamten Fragebogen prüfen.

Scope

Antworten wir für die richtige Gesellschaft und die richtigen Standorte?

Zeitraum

Sind alle Daten zeitlich konsistent?

Definitionen

Headcount oder FTE? Welche Scope-2-Methode ist relevant?

Konsistenz

Widersprechen sich verschiedene Antworten?

Evidence

Unterstützt der Nachweis die konkrete Aussage?

Freigaben

Sind Management-Aussagen intern bestätigt?

So landet kein technisch korrektes Einzelstück in einem insgesamt inkonsistenten Fragebogen.

29

Die ersten 60 Minuten nach einer neuen Kundenanfrage.

Beginnen Sie noch nicht mit langen Antworttexten. Organisieren Sie zuerst die Datenbasis.

  1. Minute 0–10Kunde, Deadline, Gesellschaft, Standorte, Zeitraum und Format prüfen.
  2. Minute 10–25Fragen nach Unternehmensdaten, Umwelt, Workforce, Governance, Supply Chain und Produkt gruppieren.
  3. Minute 25–40Data Owner zuweisen.
  4. Minute 40–50Status setzen: vorhanden, beschaffen, berechnen, bestätigen oder Gap.
  5. Minute 50–60Gezielte interne Datenanfragen versenden.
30

Die häufigsten Fehler bei interner ESG-Datensammlung.

01

Den gesamten Fragebogen an alle schicken

Erzeugt Chaos statt Zusammenarbeit.

02

Koordinator und Data Owner verwechseln

Koordination bedeutet nicht, alle Zahlen selbst zu besitzen.

03

Zahlen ohne Zeitraum anfordern

„Stromverbrauch?“ ist keine ausreichend präzise Anfrage.

04

Nur Endwerte speichern

Die Originalquelle geht verloren.

05

Fachbereiche die Kundenfrage interpretieren lassen

Besser eine klar definierte Datenanfrage senden.

06

Managementaussagen nicht bestätigen lassen

Besonders bei Policies und Governance.

07

Gesellschaften vermischen

Group, Entity und Site sind nicht automatisch derselbe Scope.

08

Jede Anfrage von vorne beginnen

Der Data Owner bleibt häufig derselbe, auch wenn der nächste Kunde anders fragt.

31

Wann externe Unterstützung sinnvoll wird.

Ein kurzer ESG-Fragebogen mit fünf bekannten Kennzahlen braucht normalerweise kein großes Projekt.

Unterstützung wird interessanter, wenn:

  • mehrere Fachbereiche oder Standorte beteiligt sind
  • niemand die Anfrage zentral strukturiert
  • Scope 1 und Scope 2 berechnet werden müssen
  • Nachweise zugeordnet oder Policies geprüft werden müssen
  • widersprüchliche Daten existieren
  • mehrere Kunden ähnliche Informationen verlangen
  • aus der Anfrage eine wiederverwendbare ESG-Datenbasis entstehen soll

Kundenanforderung → Datenpunkt → Owner → Quelle → Berechnung → Evidence → Review → Antwort

Wie evipace konkrete Kundenanforderungen unterstützt, zeigt die Seite ESG-Anforderungen von Kunden.

Ihr nächster Schritt

Ihr Kunde verlangt ESG-Daten – aber intern ist unklar, wer was liefern soll?

Senden Sie uns die Kundenanfrage oder den Fragebogen.

Wir strukturieren die benötigten Datenpunkte, ordnen vorhandene Quellen und Nachweise zu und machen sichtbar, welche Informationen aus Finance, HR, Einkauf, Qualität, Operations oder Management noch benötigt werden.

Finance · HR · Einkauf · Qualität · Operations · Nachweise

FAQ

Häufige Fragen zu internen ESG-Verantwortlichkeiten

Wer sollte einen ESG-Fragebogen im Unternehmen ausfüllen?

Am besten wird der Fragebogen von einer Person zentral koordiniert, während die einzelnen Daten von den jeweils zuständigen Fachbereichen geliefert werden. Je nach Thema können Finance, HR, Einkauf, Qualität, HSE, Operations, Compliance oder Geschäftsführung beteiligt sein.

Muss ein Unternehmen einen ESG Manager haben?

Nein. Gerade kleinere Unternehmen können ESG-Anfragen auch mit einer klaren Koordinations- und Data-Owner-Struktur bearbeiten. Entscheidend ist, dass für jeden relevanten Datenpunkt eine belastbare interne Quelle identifiziert werden kann.

Wer liefert Energie- und Emissionsdaten?

Die Rohdaten liegen häufig bei Finance, Facility, Operations oder Fuhrpark. Die eigentliche Emissionsberechnung kann anschließend von einer anderen Person beziehungsweise Stelle durchgeführt werden.

Wer liefert Mitarbeiterdaten?

Typischerweise HR. Dabei sollte immer geklärt werden, welche Definition und welcher Zeitraum verlangt werden – beispielsweise Headcount oder FTE.

Wer ist für ESG-Policies zuständig?

Das hängt vom Thema ab. Ein Entwurf kann beispielsweise aus Environment, HR, Compliance oder Procurement kommen. Eine formelle Unternehmensrichtlinie sollte jedoch von der dafür autorisierten internen Stelle geprüft und verabschiedet werden.

Sollte man den gesamten Fragebogen an alle Abteilungen schicken?

In der Regel ist eine strukturierte Datenanfrage effizienter. Fachbereiche sollten möglichst nur die benötigten Datenpunkte, den Scope, Zeitraum, Einheit und gewünschte Quelle erhalten.

Was tun, wenn zwei Abteilungen unterschiedliche Zahlen liefern?

Zuerst Scope, Zeitraum, Definition, Einheit und Originalquelle vergleichen. Die Differenz sollte verstanden und dokumentiert werden, bevor ein finaler Wert verwendet wird.

Können dieselben Data Owner für EcoVadis, IntegrityNext und VSME genutzt werden?

Häufig ja. Die Plattform beziehungsweise der Bericht kann sich ändern, die zugrunde liegenden Unternehmensinformationen bleiben aber oft dieselben. IntegrityNext unterstützt beispielsweise ausdrücklich die Zusammenarbeit mehrerer Kolleginnen und Kollegen im Supplier Profile.

Wer bestätigt die finale Antwort an den Kunden?

Das hängt von der internen Governance ab. Fachliche Daten sollten vom zuständigen Owner stammen; Unternehmens- und Managementaussagen benötigen gegebenenfalls eine zusätzliche Freigabe durch die entsprechend autorisierte Person.

Kann evipace alle Angaben selbst bestätigen?

Nein. Evipace kann Anforderungen strukturieren, Datenquellen zuordnen, Berechnungen und Entwürfe vorbereiten und die Unterlagen reviewen. Unternehmensspezifische Tatsachen und Aussagen müssen auf den vom Kunden bereitgestellten Quellen beruhen und gegebenenfalls intern bestätigt werden.

Quellen & weiterführende Informationen

Die vorgeschlagene Data-Owner-Struktur ist praktische evipace-Orientierung und keine gesetzlich vorgeschriebene Organisationsform.