Treibhausgasemissionen · Grundlagen
Scope 1, 2 und 3 einfach erklärt – mit Beispielen für Unternehmen
Erdgas in der eigenen Heizung. Strom aus dem Netz. Stahl vom Lieferanten. Geschäftsreisen. Abfall aus der Produktion. Transport zum Kunden. Die Nutzung eines verkauften Produkts.
All diese Aktivitäten können Treibhausgasemissionen verursachen. Aber sie gehören nicht alle in dieselbe Kategorie.
Das Greenhouse Gas Protocol ordnet Unternehmensemissionen deshalb in drei sogenannte Scopes ein.
Die Unterscheidung entscheidet darüber, welche Daten Sie benötigen, wo Sie diese finden, welche Emissionsquellen Sie direkt kontrollieren und welche Informationen Sie von Lieferanten oder anderen Partnern brauchen.
Quick Answer
Scope 1, 2 und 3 in 30 Sekunden
| Scope | Was gehört hinein? | Produktionsbeispiel |
|---|---|---|
| Scope 1 | Direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen | Erdgas im Heizkessel, Diesel im eigenen Fuhrpark, Kältemittelverlust |
| Scope 2 | Emissionen aus der Erzeugung eingekaufter Energie | Strom für Produktionsmaschinen, Fernwärme |
| Scope 3 | Weitere indirekte Emissionen der Wertschöpfungskette | eingekaufter Stahl, Lieferantentransport, Geschäftsreisen, Abfall, Nutzung verkaufter Produkte |
Scope 1
Direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen
Erdgas im Heizkessel, Diesel im eigenen Fuhrpark, Kältemittelverlust
Scope 2
Emissionen aus der Erzeugung eingekaufter Energie
Strom für Produktionsmaschinen, Fernwärme
Scope 3
Weitere indirekte Emissionen der Wertschöpfungskette
eingekaufter Stahl, Lieferantentransport, Geschäftsreisen, Abfall, Nutzung verkaufter Produkte
Scope 1: Wir emittieren direkt.
Scope 2: Jemand erzeugt Energie für uns.
Scope 3: Emissionen entstehen in unserer vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungskette.
Diese Faustregel ersetzt keine saubere Bilanzgrenze.
Was bedeutet „Scope“ überhaupt?
Scope bedeutet in diesem Zusammenhang sinngemäß Geltungsbereich. Das GHG Protocol verwendet die drei Scopes, um Treibhausgasemissionen eines Unternehmens systematisch einzuordnen.
Der Corporate Standard deckt nicht nur CO₂ ab, sondern sieben Treibhausgase beziehungsweise Gasgruppen:
Für die Bilanz werden unterschiedliche Treibhausgase typischerweise in CO₂-Äquivalente – CO₂e – umgerechnet. Deshalb ist der alltägliche Begriff CO₂-Bilanz praktisch verständlich. Technisch geht es jedoch um eine Treibhausgasbilanz.
Scope 1: Direkte Emissionen
Scope 1 umfasst direkte Treibhausgasemissionen aus Quellen, die einem Unternehmen gehören oder von ihm kontrolliert werden.
Stationäre Verbrennung
Erdgas oder andere Brennstoffe in Heizkesseln, Öfen, Brennern, Produktionsanlagen oder Generatoren.
Mobile Verbrennung
Eigene oder kontrollierte Firmen-Pkw, Lieferwagen, Lkw und andere betriebliche Fahrzeuge.
Fugitive Emissionen
Kältemittelverluste aus Klimaanlagen, Kälteanlagen, Wärmepumpen oder Produktionskühlung.
Prozessemissionen
Treibhausgase, die bei bestimmten chemischen oder physikalischen Produktionsprozessen direkt entstehen.
GHG Protocol unterscheidet bei Scope 1 insbesondere stationäre Verbrennung, mobile Verbrennung, Prozessemissionen und fugitive Emissionen.
Einfaches Scope-1-Beispiel
Ein Metallverarbeiter betreibt einen gasbetriebenen Heizkessel, zwei dieselbetriebene Firmenfahrzeuge und eine Produktionskühlanlage.
Erdgas
stationäre Verbrennung
Scope 1Diesel eigener Fahrzeuge
mobile Verbrennung
Scope 1Kältemittelverlust
fugitive Emissionen
Scope 1Die Emissionen werden nicht deshalb Scope 1, weil sie „auf dem Firmengelände“ entstehen. Entscheidend ist die Beziehung zur eigenen oder kontrollierten Quelle.
Scope 2: Eingekaufte Energie
Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus der Erzeugung von Energie, die das Unternehmen einkauft oder bezieht und selbst verbraucht.
Elektrizität
Dampf
Wärme
Kälte
Das Unternehmen verursacht diese Emission nicht direkt in der eigenen Anlage. Die Emission entsteht beispielsweise im Kraftwerk. Das Unternehmen nutzt aber die erzeugte Energie.
Einfaches Scope-2-Beispiel
Dasselbe Produktionsunternehmen kauft jährlich 780.000 kWh Strom für CNC-Maschinen, Beleuchtung, Kompressoren, IT und Gebäudetechnik.
Einordnung
Extern erzeugter und vom Unternehmen eingekaufter Strom → Scope 2
Dasselbe kann für bezogene Fernwärme, Fernkälte und Dampf gelten.
Scope 2: location-based und market-based
Bei Scope 2 gibt es eine wichtige Besonderheit.
Location-based
Orientiert sich an der durchschnittlichen Emissionsintensität des Stromnetzes beziehungsweise der relevanten geografischen Region.
Market-based
Berücksichtigt geeignete lieferanten- oder produktspezifische Informationen und vertragliche Instrumente, sofern die Anforderungen der Scope 2 Guidance erfüllt sind.
In Märkten, in denen entsprechende contractual instruments verfügbar sind, sieht die aktuelle Scope 2 Guidance grundsätzlich ein duales Reporting beider Methoden vor.
„Wir beziehen Ökostrom“ bedeutet nicht automatisch: „Unsere gesamte Scope-2-Bilanz ist einfach null.“
Die verwendete Methode und die zugrunde liegenden Beschaffungsinformationen müssen geprüft werden.
Scope 3: Alles Weitere in der Wertschöpfungskette?
Fast. Scope 3 umfasst die weiteren indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette des berichtenden Unternehmens entstehen und nicht Scope 2 sind.
Das GHG Protocol unterteilt Scope 3 in 15 Kategorien – acht vorgelagerte und sieben nachgelagerte. Für ein Produktionsunternehmen können dazu etwa Rohstoffherstellung, gekaufte Maschinen, externe Transporte, Abfallbehandlung, Geschäftsreisen, Pendeln, Verarbeitung, Produktnutzung und Entsorgung gehören.
Scope 3 ist deshalb meistens der Bereich, in dem die meisten unterschiedlichen Datenquellen vorkommen.
Upstream und downstream – was bedeutet das?
Upstream
Inputs vor und für die eigene Tätigkeit
Lieferanten → Rohstoffe → gekaufte Maschinen → eingehender Transport → Geschäftsreisen
Downstream
Aktivitäten nach dem Verkauf
Transport zum Kunden → weitere Verarbeitung → Produktnutzung → End-of-Life
Für einen produzierenden Zulieferer ist diese Unterscheidung besonders hilfreich, weil sowohl Einkauf als auch Verkauf erhebliche Scope-3-Aktivitäten erzeugen können.
Die 15 Scope-3-Kategorien im Überblick
Das GHG Protocol verwendet diese 15 Kategorien als systematische Struktur für Scope-3-Inventare. Nicht jede Kategorie trifft auf jedes Geschäftsmodell zu.
Upstream Scope 3 · Kategorien 1–8
- 01
Purchased goods and services
Eingekaufte Waren und Dienstleistungen – zum Beispiel Stahl, Aluminium, Kunststoffgranulat, Bauteile, Verpackungen und externe Dienstleistungen.
- 02
Capital goods
Kapitalgüter wie Maschinen, Produktionsanlagen, Gebäude und größere Betriebsausstattung.
- 03
Fuel- and energy-related activities not included in Scope 1 or 2
Weitere vorgelagerte Emissionen der eingesetzten Brennstoffe und Energieträger, die nicht bereits Scope 1 oder Scope 2 sind.
- 04
Upstream transportation and distribution
Transport und Distribution eingekaufter Güter – etwa wenn ein externer Spediteur Rohmaterial zum Werk bringt.
- 05
Waste generated in operations
Behandlung und Entsorgung des durch die eigene Tätigkeit entstehenden Abfalls durch externe Akteure.
- 06
Business travel
Zum Beispiel Flug- und Bahnreisen, Mietwagen sowie bestimmte weitere Geschäftsreisekomponenten.
- 07
Employee commuting
Arbeitswege der Mitarbeitenden zwischen Wohnort und Arbeitsplatz.
- 08
Upstream leased assets
Bestimmte gemietete oder geleaste Assets, soweit deren Emissionen nicht bereits in Scope 1 und 2 enthalten sind.
Downstream Scope 3 · Kategorien 9–15
- 09
Downstream transportation and distribution
Transport und Distribution verkaufter Produkte unter den entsprechenden Abgrenzungen.
- 10
Processing of sold products
Weitere Verarbeitung verkaufter Zwischenprodukte – für Zulieferer potenziell besonders relevant.
- 11
Use of sold products
Emissionen während der Nutzung verkaufter Produkte; bei energieverbrauchenden Produkten potenziell wesentlich.
- 12
End-of-life treatment of sold products
Behandlung der verkauften Produkte am Ende ihrer Lebensdauer.
- 13
Downstream leased assets
Bestimmte Vermögenswerte, die das Unternehmen anderen zur Nutzung überlässt.
- 14
Franchises
Emissionen relevanter Franchise-Aktivitäten.
- 15
Investments
Emissionen aus relevanten Investitionen.
Ein Produktionsunternehmen als komplettes Beispiel
Nehmen wir eine fiktive GmbH, die industrielle Pumpen produziert.
Scope 1
Erdgas für die Heizung, eigene Dieseltransporter und Kältemittelverlust aus einer Klimaanlage.
Scope 2
Eingekaufter Strom für Maschinen und Fernwärme für ein Büro.
Scope 3 upstream
Stahl, Elektromotoren, Verpackungen, eine neue CNC-Maschine sowie Lieferanten und externe Spediteure.
Scope 3 downstream
Externer Transport, weitere Verarbeitung, Energie in der Nutzungsphase und Entsorgung oder Recycling.
Die drei Scopes beschreiben drei unterschiedliche Beziehungen zwischen einem Unternehmen und seinen Emissionsquellen.
Das Beispiel ist fiktiv und enthält keine Kundendaten.
Warum kann dieselbe Emission bei zwei Unternehmen auftauchen?
Ein Stahlhersteller verbrennt Erdgas. Für den Stahlhersteller sind die direkten Emissionen Scope 1. Kauft ein Maschinenbauer diesen Stahl, können die vorgelagerten Emissionen des Materials für ihn Teil von Scope 3 Category 1 sein.
Stahlhersteller
Erdgas → Scope 1
Maschinenbauer
Stahl → Scope 3.1
Das ist nicht automatisch ein Fehler. Die Scopes werden aus Sicht jedes berichtenden Unternehmens bestimmt. Über verschiedene Unternehmen entlang einer Wertschöpfungskette können sich Inventare naturgemäß überlagern.
Was gehört NICHT automatisch in Scope 3?
Häufiger Fehler
„Alles, was extern passiert, ist Scope 3.“
Ihr Unternehmen kauft Strom aus dem Netz. Die Stromerzeugung passiert extern. Trotzdem ist die entsprechende Erzeugungsemission Scope 2 und nicht einfach Scope 3.
Auch ein gemietetes Asset kann – abhängig von Boundary und Kontrollansatz – möglicherweise in Scope 1 und 2 liegen und nicht automatisch in Scope 3.
Organisationsgrenze
eigene/kontrollierte Quellen
Scope 1Energiebezug
eingekaufte Energie
Scope 2übrige Value Chain
anwendbare Kategorien
Scope 3Scope 1 ist nicht einfach „alles im eigenen Gebäude“.
Ein Firmenfahrzeug fährt 500 Kilometer von Ihrem Werk entfernt. Der Kraftstoffverbrauch kann trotzdem Scope 1 sein. Umgekehrt kann eine externe Anlage direkt neben Ihrem Werk stehen, ohne Teil Ihres Scope 1 zu sein.
- Eigentum
- Kontrolle
- gewählte organisatorische Bilanzgrenze
Diese Beziehungen entscheiden – nicht die geografische Entfernung zur Firmenzentrale.
Warum Scope 3 für Produktionsunternehmen oft besonders relevant ist.
Vor dem eigenen Werk können Emissionen durch Rohstoffgewinnung, Materialproduktion, Vorprodukte, Energieeinsatz beim Lieferanten und Logistik entstehen. Danach können Distribution, Verarbeitung, Nutzung und End-of-Life folgen.
Ein Unternehmen kann deshalb relativ überschaubare direkte Emissionen besitzen, während ein großer Teil seines gesamten Wertschöpfungsketten-Fußabdrucks außerhalb der eigenen Werke liegt.
Das heißt nicht: „Scope 3 ist immer der größte Scope.“ Die tatsächliche Verteilung hängt vom Geschäftsmodell ab.
Muss jedes Unternehmen alle 15 Scope-3-Kategorien berechnen?
Die 15 Kategorien bilden die systematische Struktur des GHG Protocol Scope 3 Standard. Aber nicht jede Kategorie ist für jedes Geschäftsmodell tatsächlich relevant. Ein normales Produktionsunternehmen hat möglicherweise keine Franchises, keine relevanten Downstream Leased Assets oder keine Investment-Aktivitäten im Sinne der jeweiligen Kategorie.
Die erste Scope-3-Arbeit besteht deshalb häufig aus einem Screening:
- 1Welche Kategorien treffen grundsätzlich auf unser Geschäftsmodell zu?
- 2Wo könnten wesentliche Emissionen liegen?
- 3Welche Daten besitzen wir?
- 4Welche Daten müssen von Lieferanten oder anderen Partnern kommen?
- 5Welche Berechnungsmethode ist angemessen?
GHG Protocol stellt für alle 15 Kategorien eigene Calculation Guidance und unterschiedliche Berechnungsmethoden bereit.
Muss man Scope 3 überhaupt berechnen?
Hier muss man unterscheiden. Der klassische GHG Protocol Corporate Standard verlangt für ein Corporate Inventory Scope 1 und Scope 2; Scope 3 war in diesem ursprünglichen Corporate Standard optional. Wer dagegen ein Inventory nach dem separaten Corporate Value Chain (Scope 3) Standard erstellt, arbeitet nach dessen Anforderungen und 15-Kategorien-Struktur.
Zusätzlich können Scope-3-Informationen durch Reporting Frameworks, Kundenanforderungen, Klimaziele, Banken oder Supplier Assessments relevant werden.
Die richtige Frage lautet: „Für welchen Reporting- oder Kundenkontext erstellen wir die Bilanz?“
Welche Daten braucht Scope 1?
Für viele Produktionsunternehmen sind die Daten relativ greifbar: Erdgas in kWh oder m³, Heizöl in Litern, Diesel oder Benzin in Litern, andere Brennstoffe, Kältemitteltyp und kg sowie Daten zu relevanten Prozessemissionen.
Typische Quellen sind Rechnungen, Tankkarten, Anlagenregister, Wartungsprotokolle und Produktionsdaten.
Welche Daten braucht Scope 2?
Typischerweise benötigen Sie Stromverbrauch je Standort, kWh oder MWh, Lieferant, Berichtszeitraum, Energievertrag, gegebenenfalls produkt- oder lieferantenspezifische Informationen sowie Daten zu Fernwärme, Fernkälte und Dampf.
Detaillierte Datensammlung
Weiterlesen: Scope 1 und Scope 2: Welche Daten braucht man? Oder direkt mit der Scope 1 & 2 Datenerfassungs-Vorlage starten.
Welche Daten braucht Scope 3?
Hier wird es vielfältiger. Es gibt keinen universellen Scope-3-Datensatz.
Einkauf
Materialmenge, Einkaufsvolumen, Produkttyp, Lieferanten- und produktspezifische Emissionsdaten
Transport
Gewicht, Entfernung und Transportmittel
Abfall
Menge, Abfallart und Behandlungsmethode
Geschäftsreisen
Verkehrsmittel, Entfernung und Reisedaten
Mitarbeitendenmobilität
Entfernung, Verkehrsmittel und Arbeitstage
Verkauftes Produkt
Stückzahl, Nutzungsprofil, Energieverbrauch, Lebensdauer und End-of-Life-Szenario
Je nach Kategorie erlaubt die GHG Protocol Calculation Guidance unterschiedliche Methoden und Datenqualitäten.
Primärdaten oder Durchschnittswerte?
Nicht jede Scope-3-Berechnung beginnt sofort mit perfekten Lieferantendaten. Je nach Kategorie und Datenverfügbarkeit können supplier-specific data, activity-based data, physical proxies, secondary emission factors oder spend-based approaches verwendet werden.
Die passende Methode hängt von Kategorie, Materialität, Datenverfügbarkeit und Verwendungszweck ab. Ein erstes Screening kann mit gröberen Daten beginnen; für besonders relevante Quellen lässt sich die Datenqualität später verbessern.
Schätzung nicht als Messung darstellen.
Datenquelle, Methode und Annahmen sollten dokumentiert bleiben. Wie daraus belastbare Evidence entsteht, erklärt der Leitfaden zu ESG-Nachweisen für Lieferanten. Unsere Prüfgrundsätze finden Sie unter Unsere Methodik.
Was bedeutet Scope 1, 2 und 3 für einen Lieferanten?
Ihr Kunde fragt möglicherweise: „Bitte geben Sie Ihre Scope-1- und Scope-2-Emissionen an.“ Ein möglicher Grund ist, dass Ihre Emissionen für ihn Teil seiner eigenen Scope-3-Wertschöpfungskette sein können.
Produzieren Sie Metallteile für einen Automobilzulieferer, gehören Ihre Erdgasemissionen, Stromeinkäufe und Produktionsaktivitäten zunächst zu Ihrem eigenen Corporate Inventory. Beim Kunden können Emissionen aus den von Ihnen gekauften Produkten wiederum in dessen Scope 3 relevant werden.
Perspektive
Ihr Scope 1 und 2 → potenziell Teil der Scope-3-Wertschöpfungskette Ihres Kunden
Scope 1, 2 und 3 in einem ESG-Fragebogen
Wenn ein Kunde nach Scope 1 fragt, sollten Sie nicht einfach den gesamten Corporate Carbon Footprint eintragen. Bei Scope 2 sollte klar sein, ob location-based, market-based oder beides verlangt wird.
Bei Scope 3 sollten Sie prüfen, ob eine Gesamtsumme verlangt wird, welche Kategorien enthalten sind, welches Jahr und welche Boundary gelten und welche Methodik verwendet wurde. Ein Feld mit der Beschriftung „Scope 3 emissions“ ist ohne Kontext weniger eindeutig, als es aussieht.
Wenn ein Kunde bereits eine solche Anfrage gestellt hat: ESG-Fragebogen vom Kunden erhalten – was jetzt?
Scope 1 + Scope 2 ist nicht automatisch der komplette Carbon Footprint.
Wenn ein Unternehmen ausschließlich Scope 1 und 2 berechnet, hat es Scope 1 und Scope 2 berechnet – nicht automatisch alle Emissionen seiner gesamten Wertschöpfungskette.
Begriffe wie CO₂-Bilanz, Corporate Carbon Footprint, GHG Inventory und Scope 1 & 2 werden in der Praxis oft unscharf verwendet.
Saubere Dokumentation
Boundary + Zeitraum + enthaltene Scopes + verwendete Methodik
Und was ist ein Product Carbon Footprint?
Corporate GHG Inventory
betrachtet Emissionen aus Sicht eines Unternehmens.
Product Carbon Footprint
betrachtet den Lebenszyklus oder eine definierte Systemgrenze eines Produkts.
Scope 1, 2 und 3 sind primär eine Corporate-Inventory-Systematik. Sie sollten nicht einfach mit einzelnen Lebenszyklusphasen eines Produktes gleichgesetzt werden. Ein Kunde, der den Carbon Footprint eines Bauteils verlangt, stellt eine andere Datenfrage als ein Kunde, der Ihre Corporate Scope-1- und Scope-2-Emissionen verlangt.
Wo sollte ein Unternehmen anfangen?
Wenn bisher noch keine Treibhausgasbilanz existiert, ist dies eine praktische Empfehlung – keine universelle gesetzliche Reihenfolge:
- 01Berichtsjahr festlegen.
- 02Organisatorische Bilanzgrenze definieren.
- 03Scope-1-Quellen identifizieren.
- 04Scope-2-Energie erfassen.
- 05Scope 1 und 2 sauber berechnen und dokumentieren.
- 06Scope-3-Kategorien screenen.
- 07Wesentliche Kategorien priorisieren.
- 08Datenqualität schrittweise verbessern.
Damit entsteht eine belastbare Basis statt einer riesigen Excel-Datei voller Schätzungen ohne klare Herkunft.
Warum Scope 1 und 2 häufig der beste erste operative Schritt sind.
Für viele kleinere Produktionsunternehmen liegen Gasrechnung, Stromrechnung, Tankkarten, Heizöl-, Kältemittel- und Fernwärmeunterlagen bereits intern. Das macht Scope 1 und 2 häufig greifbarer als eine vollständige Scope-3-Bilanz.
Erst Scope 1 und 2 strukturiert aufbauen – Scope 3 danach gezielt nach Geschäftsmodell und Informationsbedarf erweitern.
Weiterlesen: Scope 1 und Scope 2 berechnen
Wie passt das zum VSME?
Für Unternehmen, die den aktuellen VSME beziehungsweise Voluntary Standard nutzen, sind Scope 1 und location-based Scope 2 Teil der grundlegenden Emissionsdatenerfassung unter B3, mit den im Standard vorgesehenen Differenzierungen für sehr kleine Unternehmen.
Scope 3 kann abhängig von Unternehmensaktivität und Informationsbedarf zusätzlich relevant werden; Manufacturing wird im aktuellen Standard ausdrücklich als ein Bereich genannt, in dem relevante Scope-3-Kategorien auftreten können.
Für die vollständige Datenvorbereitung: VSME: Welche Daten braucht ein Nachhaltigkeitsbericht?
Die GHG-Protocol-Standards werden überarbeitet – ändern sich die drei Scopes jetzt?
Noch nicht in dem Sinn, dass Unternehmen die aktuellen Standards ignorieren sollten. GHG Protocol und ISO haben 2026 angekündigt, ihre Corporate-GHG-Standards in einem neuen harmonisierten globalen Corporate Standard zusammenzuführen.
Der zukünftige Standard soll unter anderem Corporate Standard, Scope 2 Guidance, Scope 3 Standard, Actions and Market Instruments und ISO 14064-1 zusammenführen.
Q2 2027
konsolidierte öffentliche Konsultation vorgesehen
Q4 2028
finaler gemeinsamer Corporate Standard derzeit geplant
Auch Scope 2 und Scope 3 befinden sich in Revision-Prozessen.
Vorschläge und Drafts sind keine bereits geltenden neuen Regeln.
Für eine Berechnung heute gilt: Arbeiten Sie mit der aktuell anwendbaren Methodik und dokumentieren Sie Boundary, Daten, Faktoren, Methoden und Annahmen so, dass spätere Updates nachvollziehbar umgesetzt werden können.
Die häufigsten Scope-Verwechslungen
01
„Strom ist Scope 3, weil das Kraftwerk extern ist.“
Nein. Eingekaufte Elektrizität fällt grundsätzlich unter Scope 2.
02
„Alles auf unserem Gelände ist Scope 1.“
Nein. Entscheidend sind Ownership, Control und die Bilanzgrenze.
03
„Scope 3 bedeutet nur Lieferanten.“
Nein. Scope 3 umfasst upstream und downstream.
04
„Scope 3 bedeutet nur eingekaufte Materialien.“
Nein. Es gibt 15 Kategorien.
05
„Ökostrom bedeutet immer Scope 2 = 0.“
Zu einfach. Scope-2-Methode und contractual instruments müssen berücksichtigt werden.
06
„Scope 1 + Scope 2 = gesamte Klimabilanz.“
Nicht automatisch. Die Wertschöpfungskette kann zusätzliche Scope-3-Emissionen enthalten.
07
„Keine perfekten Lieferantendaten = Scope 3 unmöglich.“
Nicht zwingend. Je nach Kategorie existieren verschiedene Berechnungsmethoden.
Der wichtigste Unterschied in einem Satz.
Wenn Sie sich nur eine Sache merken:
Scope 1
Emissionen aus Quellen, die wir besitzen oder kontrollieren.
Scope 2
Emissionen aus der Erzeugung der Energie, die wir einkaufen und verbrauchen.
Scope 3
Weitere indirekte Emissionen unserer vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette.
Danach beginnt die Arbeit
Quelle identifizieren → Daten sammeln → Methode wählen → berechnen → dokumentieren.
Ihr nächster Schritt
Sie kennen die Scopes – aber die Zahlen fehlen noch?
Für Scope 1 und Scope 2 liegen die Ausgangsdaten häufig bereits im Unternehmen.
Senden Sie uns vorhandene Energie-, Kraftstoff- und Verbrauchsdaten. Wir strukturieren die Emissionsquellen, dokumentieren die Berechnungsgrundlage und machen offene Datenlücken sichtbar.
Scope 1 · Scope 2 · Aktivitätsdaten · Emissionsfaktoren · Nachweise
FAQ
Häufige Fragen zu Scope 1, 2 und 3
Was ist der Unterschied zwischen Scope 1, 2 und 3?
Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen. Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus der Erzeugung eingekaufter Elektrizität, Wärme, Kälte und Dampf. Scope 3 umfasst weitere indirekte Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette.
Ist Erdgas Scope 1 oder Scope 2?
Wird Erdgas in einer eigenen beziehungsweise kontrollierten Anlage des Unternehmens verbrannt, gehören die daraus entstehenden direkten Emissionen typischerweise zu Scope 1.
Ist Strom Scope 2?
Eingekaufter beziehungsweise bezogener und vom Unternehmen verbrauchter Strom gehört grundsätzlich zur Scope-2-Betrachtung. Die aktuelle Guidance unterscheidet dabei location-based und – wo anwendbar – market-based Accounting.
Sind Kältemittel Scope 1?
Emissionen durch Kältemittelverluste aus eigenen oder kontrollierten Anlagen können als fugitive emissions Scope 1 sein.
Sind Geschäftsreisen Scope 3?
Geschäftsreisen sind im GHG Protocol eine eigene vorgelagerte Scope-3-Kategorie – Category 6.
Ist der Arbeitsweg der Mitarbeitenden Scope 3?
Employee commuting ist Category 7 der upstream Scope-3-Kategorien.
Sind eingekaufte Rohstoffe Scope 3?
Die vorgelagerten Emissionen eingekaufter Waren und Dienstleistungen können unter Scope 3 Category 1 fallen. Für Produktionsunternehmen kann dies Rohstoffe und Vorprodukte betreffen.
Muss jedes Unternehmen Scope 3 berechnen?
Nicht pauschal aus demselben Grund. Der ursprüngliche GHG Protocol Corporate Standard behandelt Scope 3 anders als Scope 1 und 2; der separate Scope 3 Standard enthält die 15-Kategorien-Systematik. Zusätzlich können andere Reporting Frameworks, Kunden oder Programme Scope-3-Informationen verlangen.
Muss jede der 15 Kategorien relevant sein?
Nein. Die Kategorien bilden das vollständige Framework; je nach Geschäftsmodell können einzelne Kategorien nicht anwendbar beziehungsweise nicht relevant sein. Die Bewertung sollte strukturiert und begründet erfolgen.
Kann dieselbe Emission Scope 1 eines Lieferanten und Scope 3 seines Kunden sein?
Ja. Die Scope-Klassifizierung erfolgt aus Perspektive des jeweiligen berichtenden Unternehmens. Direkte Emissionen eines Lieferanten können mit eingekauften Waren oder Dienstleistungen verbunden sein und damit im Value-Chain-Inventar eines Kunden relevant werden.
Werden Scope 1, 2 und 3 gerade geändert?
GHG Protocol und ISO entwickeln derzeit einen konsolidierten Corporate Standard. Nach dem im Juli 2026 veröffentlichten Zeitplan ist die öffentliche Konsultation für Q2 2027 und der finale gemeinsame Standard für Q4 2028 geplant. Bis neue Anforderungen finalisiert sind, sollten Drafts nicht als bereits geltende Regeln behandelt werden.
Quellen & weiterführende Informationen
- GHG Protocol — Corporate Standard
Grundlage für das Corporate GHG Inventory, Scope 1 und den grundlegenden Scope-2-Rahmen.
- GHG Protocol — Scope 2 Guidance
Offizielle Guidance zu Elektrizität, Dampf, Wärme und Kälte sowie location-based und market-based Accounting.
- GHG Protocol — Corporate Value Chain (Scope 3) Standard
Offizieller Scope-3-Rahmen und Struktur der 15 Kategorien.
- GHG Protocol — Scope 3 Calculation Guidance
Berechnungsmethoden und Datengrundlagen für alle 15 Kategorien.
- GHG Protocol — Corporate Standards Update / July 2026 FAQ
Aktueller offizieller Revisionsstatus und Zeitplan von Q2 2027 bis Q4 2028.
- EFRAG Knowledge Hub — Voluntary Standard
Offizielle aktuelle Grundlage für die im Artikel knapp erläuterte VSME-Verbindung.
Evipace ist unabhängig von GHG Protocol, WRI, WBCSD, ISO und EFRAG. Die Verweise dienen ausschließlich der fachlichen Einordnung.