ESG-Nachweise · Praxisleitfaden

ESG-Nachweise für Lieferanten: Welche Dokumente werden wirklich gebraucht?

Ihr Kunde fragt nicht mehr nur:

„Haben Sie eine Umweltpolitik?“

Sondern:

„Bitte Nachweis beifügen.“

Plötzlich reicht eine Antwort im Fragebogen nicht mehr. Benötigt werden Zertifikate, Richtlinien, Verbrauchsdaten, Berechnungen, Schulungsnachweise, Berichte oder andere Dokumente, die zeigen, worauf Ihre Aussagen tatsächlich beruhen.

Dieser Leitfaden

Von verstreuten Dateien zu einer wiederverwendbaren Evidence-Struktur.

Sie erfahren, welche Nachweise typischerweise relevant sind, worauf Sie bei ihrer Auswahl achten sollten und wie Aussagen, Quellen und Dokumente belastbar zusammengeführt werden.

Quick Answer

Was macht einen guten ESG-Nachweis aus?

Bevor Sie ein Dokument hochladen oder an einen Kunden senden, prüfen Sie fünf Dinge.

  1. 1

    Passt der Nachweis zur Aussage?

    Ein ISO-14001-Zertifikat kann ein Umweltmanagementsystem belegen. Es belegt aber nicht automatisch jede einzelne Umweltmaßnahme Ihres Unternehmens.

  2. 2

    Gehört er zum richtigen Unternehmen oder Standort?

    Ein Dokument der Muttergesellschaft ist nicht automatisch ein Nachweis für jede Tochtergesellschaft oder jedes Werk.

  3. 3

    Ist der Nachweis aktuell?

    Bei Zertifikaten ist die Gültigkeit offensichtlich. Aber auch Richtlinien, KPI-Berichte und andere Dokumente können veraltet sein.

  4. 4

    Ist nachvollziehbar, was das Dokument belegt?

    Firmenname, Zeitraum, Geltungsbereich, Freigabe oder Quelle sollten dort erkennbar sein, wo sie relevant sind.

  5. 5

    Existiert die zugrunde liegende Praxis tatsächlich?

    Ein Dokument sollte eine reale Unternehmenspraxis dokumentieren – nicht erst eine Praxis erfinden, damit im Fragebogen ein Ja angekreuzt werden kann.

Die Grundlogik

Aussage → Quelle → Nachweis

AussageQuelleNachweis
01

Was ist überhaupt ein ESG-Nachweis?

Ein ESG-Nachweis ist eine Information oder ein Dokument, das eine konkrete Aussage über Ihr Unternehmen unterstützt.

Zertifizierung

Aussage
Unser Unternehmen verfügt über ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem.
Möglicher Nachweis
Ein gültiges ISO-14001-Zertifikat für die relevante Gesellschaft beziehungsweise den relevanten Standort.

Verbrauchsdaten

Aussage
Unser Stromverbrauch betrug im Geschäftsjahr 2025 482.000 kWh.
Möglicher Nachweis
Stromrechnungen, Zählerdaten oder eine belastbare Verbrauchsauswertung für den entsprechenden Zeitraum.

Umsetzung

Aussage
Mitarbeitende werden zu einem bestimmten Compliance-Thema geschult.
Möglicher Nachweis
Eine entsprechende interne Regelung zusammen mit geeigneten Schulungs- oder Teilnahmenachweisen.

Es gibt keine universelle Liste von Dokumenten, die jede ESG-Anfrage beantwortet.

Welche Nachweise sinnvoll oder erforderlich sind, hängt immer davon ab:

  • was konkret gefragt wird
  • welcher Zeitraum betroffen ist
  • für welche Gesellschaft oder welchen Standort die Antwort gilt
  • und welche Anforderungen der Kunde oder die jeweilige Plattform an den Nachweis stellt

Wenn die Kundenanfrage selbst noch unklar ist, hilft unser Leitfaden ESG-Fragebogen vom Kunden erhalten – was jetzt? bei der ersten Strukturierung.

02

Diese Arten von ESG-Nachweisen begegnen Lieferanten besonders häufig.

Für die interne Vorbereitung hilft es, Nachweise nicht als einen großen Dokumentenordner zu betrachten, sondern in Gruppen zu strukturieren.

01

Richtlinien und formelle Verpflichtungen

Sie zeigen vor allem, was das Unternehmen formell beschlossen oder festgelegt hat.

  • Environmental Policy
  • Code of Conduct
  • Anti-Corruption Policy
  • Human Rights Policy
  • Health & Safety Policy
  • Supplier Code of Conduct
  • Sustainable Procurement Policy
  • andere interne Richtlinien
02

Zertifikate

Sie können zeigen, dass ein Managementsystem oder definierter Geltungsbereich extern zertifiziert wurde.

  • ISO 14001
  • ISO 45001
  • ISO 50001
  • branchenspezifische Zertifizierungen
  • andere für die konkrete Anfrage relevante Zertifikate
03

Verfahren und operative Dokumentation

Sie können helfen zu zeigen, wie eine Unternehmenspraxis tatsächlich organisiert ist.

  • Prozessbeschreibungen
  • interne Arbeitsanweisungen
  • Risikobewertungen
  • dokumentierte Kontrollprozesse
  • Umwelt-, Compliance- und Beschaffungsprozesse
04

Kennzahlen und Berechnungsgrundlagen

Hier ist häufig nicht nur die Endzahl relevant. Auch die Grundlage sollte nachvollziehbar bleiben.

  • Energie-, Kraftstoff- und Wasserverbrauch
  • Abfallmengen
  • Scope-1- und Scope-2-Berechnungen
  • vereinbarte Scope-3-Daten
  • Mitarbeiter- und Arbeitssicherheitskennzahlen
  • andere ESG-KPIs
05

Schulungs- und Umsetzungsnachweise

Wenn die Umsetzung gefragt ist, kann ein Policy-Dokument allein zu wenig sein.

  • Schulungsunterlagen
  • Teilnahmeaufzeichnungen
  • interne Kommunikation
  • Maßnahmenprotokolle
  • dokumentierte Kontrollen
  • andere Umsetzungsnachweise
06

Externe beziehungsweise Third-Party-Dokumente

Sie können wertvoll sein, weil die Information nicht ausschließlich vom Unternehmen selbst erstellt wurde.

  • Rechnungen und Verträge
  • externe Auditberichte
  • Entsorgungsnachweise
  • Berichte externer Dienstleister
  • Zertifikate und Prüfberichte
  • bestimmte Behördenunterlagen
07

Berichte

Ein Bericht kann mehrere Datenpunkte bündeln. Für jede Frage bleibt zu prüfen, was er tatsächlich belegt.

  • Nachhaltigkeitsberichte
  • Jahresberichte mit Nachhaltigkeitsinformationen
  • Umwelt- und HSE-Berichte
  • Social-Audit-Berichte
  • interne KPI-Berichte

EcoVadis nennt beispielsweise unter bestimmten Voraussetzungen Rechnungen, externe Berichte, Trainingszertifikate und andere Third-Party-Unterlagen als mögliche Supporting Documents. Diese Beispiele sind keine universelle Pflichtliste.

03

Nicht jeder richtige Dokumenttyp ist automatisch ein guter Nachweis.

Nehmen wir an, Ihr Kunde verlangt einen Nachweis für ein Umweltmanagementsystem. Sie haben tatsächlich ein ISO-14001-Zertifikat. Damit ist die Prüfung noch nicht abgeschlossen.

Für wen gilt das Zertifikat?

Steht darauf die richtige Gesellschaft?

Welcher Standort ist umfasst?

Deckt es das Werk ab, um das es in der Kundenanfrage geht?

Welcher Scope ist zertifiziert?

Passt der Geltungsbereich zum Geschäft, auf das sich die Antwort bezieht?

Ist es noch gültig?

Wann läuft es ab?

Passt es überhaupt zur Frage?

Belegt das Zertifikat die tatsächlich abgefragte Thematik?

IntegrityNext weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Zertifikat zur abgefragten Thematik passen muss. Ein Zertifikat für Energiemanagement ist nicht automatisch ein geeigneter Ersatz, wenn Umweltschutz beziehungsweise ein anderes Managementthema abgefragt wird. Bei Unklarheiten oder Widersprüchen kann das Validation Team eine Nachbesserung verlangen.

Dokumenttyp + Geltungsbereich + Zeitraum + konkrete Aussage müssen zusammenpassen.

04

Bauen Sie eine Evidence Map statt eines Dokumentenordners.

Ein Ordner mit 80 PDFs ist noch keine strukturierte ESG-Dokumentation. Viel hilfreicher ist eine einfache Zuordnung zwischen Aussage und Nachweis.

Umweltmanagement

bereit
Aussage / Datenpunkt
ISO 14001 vorhanden
Möglicher Nachweis
ISO-14001-Zertifikat
Scope
Werk A
Zeitraum / Gültigkeit
gültig bis 2027

Stromverbrauch

bereit
Aussage / Datenpunkt
482.000 kWh
Möglicher Nachweis
Rechnungen / Zählerdaten
Scope
Werk A
Zeitraum / Gültigkeit
2025

Scope 2

berechnet
Aussage / Datenpunkt
126 t CO₂e
Möglicher Nachweis
Verbrauchsdaten + Berechnung
Scope
Unternehmen
Zeitraum / Gültigkeit
2025

Antikorruption

bereit
Aussage / Datenpunkt
Richtlinie vorhanden
Möglicher Nachweis
freigegebene Policy
Scope
Unternehmen
Zeitraum / Gültigkeit
aktuell

Compliance-Schulung

prüfen
Aussage / Datenpunkt
Mitarbeitende geschult
Möglicher Nachweis
Trainingsnachweis
Scope
relevante Mitarbeitende
Zeitraum / Gültigkeit
2026

Umweltpolitik

bereit
Aussage / Datenpunkt
formelle Policy
Möglicher Nachweis
Policy
Scope
Unternehmen
Zeitraum / Gültigkeit
aktuell

Damit sehen Sie sofort:

  • welche Aussage bereits belegt ist
  • welcher Nachweis verwendet wird
  • für welchen Scope er gilt
  • ob er noch aktuell ist
  • und wo etwas fehlt

Ein Evidence Register ist wertvoller als ein Ordner mit Dateinamen, deren Bedeutung niemand mehr kennt.

05

Eine Policy beweist eine Policy. Nicht automatisch deren Umsetzung.

Nehmen wir an, Ihr Unternehmen verfügt über eine Antikorruptionsrichtlinie. Damit können Sie möglicherweise belegen, dass das Unternehmen eine formelle Antikorruptionsrichtlinie verabschiedet hat.

Aber wenn die Frage lautet:

„Werden relevante Mitarbeitende regelmäßig zu Antikorruption geschult?“

ist dieselbe Policy nicht automatisch ausreichender Beleg. Dann können andere Informationen relevant werden:

  • Schulungsprogramm
  • Trainingsunterlagen
  • Teilnahmeaufzeichnungen
  • Terminübersichten
  • interne Kommunikationsnachweise

Ähnlich zeigt eine Environmental Policy eine formelle Verpflichtung. Sie beweist nicht automatisch tatsächliche Emissionsreduktionen, erreichte Umweltziele, korrekte Abfalltrennung oder die Umsetzung aller darin genannten Maßnahmen.

Commitment und Implementation sind zwei verschiedene Dinge.

Das sollte auch Ihre Evidence Map widerspiegeln. Wenn der Kunde konkret eine Environmental Policy verlangt, zeigt der Leitfaden Policy, Freigabe und Nachweise sauber zu trennen.

Für Lieferantenanforderungen ist dieselbe Trennung relevant: Der Leitfaden Lieferantenkodex und Umsetzung sauber abgrenzen ordnet Supplier Code, Kommunikation, Bestätigung und ergänzende Nachweise ein.

06

Zertifikate: Vier Dinge sollten Sie vor dem Upload prüfen.

Zertifikate gehören zu den einfachsten Nachweisen – solange sie wirklich passen.

  1. 01

    Unternehmen

    Ist der richtige Firmenname genannt?

  2. 02

    Standort und Geltungsbereich

    Welche Standorte, Tätigkeiten oder Einheiten sind tatsächlich zertifiziert?

  3. 03

    Thema

    Belegt das Zertifikat genau das Managementsystem beziehungsweise Thema, nach dem gefragt wird?

  4. 04

    Gültigkeit

    Ist das Zertifikat noch gültig?

IntegrityNext ermöglicht Lieferanten bei bestimmten Assessments, ein vorhandenes zertifiziertes Managementsystem hochzuladen. Wenn kein entsprechendes Zertifikat vorhanden ist, kann stattdessen der zugehörige Fragebogen beantwortet werden. Das Fehlen eines Zertifikats bedeutet dort also nicht automatisch, dass die Anfrage nicht bearbeitet werden kann.

Kein Zertifikat ist besser als ein unpassendes Zertifikat, das etwas anderes suggeriert.

07

Bei Kennzahlen ist die Berechnungsgrundlage Teil des Nachweises.

Eine ESG-Kennzahl sollte nicht nur als einzelne Zahl irgendwo stehen. Beispiel:

Ergebnis

Scope 2: 126 t CO₂e

Für eine nachvollziehbare Berechnungsgrundlage sollten – abhängig vom Anwendungsfall – Elemente wie diese erhalten bleiben:

  1. Aktivitätsdaten

    zum Beispiel Stromverbrauch in kWh

  2. Quelle

    zum Beispiel Rechnungen, Zählerwerte oder strukturierte Verbrauchsdaten

  3. Methode / Emissionsfaktor

    welcher Faktor beziehungsweise welche methodische Grundlage wurde verwendet?

  4. Berechnung

    wie wurde aus dem Ausgangswert das Ergebnis ermittelt?

  5. Ergebnis

    t CO₂e

So entsteht aus einer Zahl eine nachvollziehbare Kennzahl. Dasselbe Prinzip gilt auch für Energie, Wasser, Abfall, Unfallraten, Mitarbeiterkennzahlen und andere berechnete ESG-KPIs.

Scope 1 und Scope 2 berechnen
08

Auch externe Dokumente können wichtige Nachweise sein.

Nicht jeder belastbare Nachweis muss eine intern erstellte Richtlinie sein. Manchmal ist gerade ein externes Dokument die beste Quelle.

Energieverbrauch

Strom- oder Gasrechnung.

Entsorgung

Vertrag, Abrechnung oder Dokumentation eines Entsorgungsdienstleisters.

Investition in energieeffiziente Technik

Rechnung zusammen mit geeigneter Produkt- beziehungsweise Projektdokumentation.

Externe Schulung

Teilnahmebestätigung oder Zertifikat in Verbindung mit der internen Zuordnung.

Zertifizierung

Gültiges Zertifikat beziehungsweise geeignete Dokumentation des Zertifizierungsprozesses.

Auch EcoVadis unterscheidet ausdrücklich Third-Party-Dokumente und beschreibt, wie solche Unterlagen mit dem Assessment Scope verbunden werden können.

Nicht die Herkunft entscheidet allein über die Qualität eines Nachweises, sondern wie eindeutig er die konkrete Aussage unterstützt.

09

Kann man einen fehlenden Nachweis einfach neu erstellen?

Manchmal ja. Manchmal ausdrücklich nicht in dem Sinn, in dem die Frage gemeint ist. Entscheidend ist der Unterschied zwischen einer realen Praxis, die dokumentiert wird, und einer nicht vorhandenen Praxis, die erfunden wird.

BEISPIEL A

Die Praxis existiert.

Das Unternehmen arbeitet bereits nach bestimmten Umweltgrundsätzen. Diese wurden bisher nur nicht formal in einer Environmental Policy dokumentiert.

Dann kann aus der tatsächlichen Unternehmenspraxis ein Entwurf erstellt werden. Dieser muss intern geprüft, gegebenenfalls korrigiert und von einer autorisierten Person ausdrücklich verabschiedet werden.

Die Richtlinie existiert ab ihrer tatsächlichen Verabschiedung – nicht rückwirkend seit drei Jahren.

BEISPIEL B

Die Praxis existiert nicht.

Das Unternehmen führt keine entsprechenden Maßnahmen durch. Dann sollte keine Policy erstellt werden, die behauptet, diese Maßnahmen seien bereits etabliert.

EcoVadis verlangt für seine Bewertung formalisierten, relevanten und bereits bestehenden Nachweis des tatsächlichen Sustainability Management Systems. Insbesondere werden keine Dokumente akzeptiert, die ausschließlich zur Erfüllung des Fragebogens erstellt oder ohne nachweisbare Umsetzung aus anderen Quellen übernommen wurden.

10

Aktualität: Ein alter Nachweis ist nicht automatisch noch ein guter Nachweis.

Die Aktualität hängt vom Dokumenttyp und vom Empfänger ab. Ein Zertifikat hat meistens ein eindeutiges Gültigkeitsdatum. Bei anderen Unterlagen ist es weniger offensichtlich.

alte Policies
KPI-Berichte
Schulungsunterlagen
Prozessbeschreibungen
Auditberichte

können fachlich oder organisatorisch überholt sein.

EcoVadis verwendet derzeit für seine eigene Bewertungsmethodik unterschiedliche Zeitgrenzen: Policies und Actions werden grundsätzlich über einen längeren Zeitraum betrachtet, während KPI-Reporting deutlich aktueller sein muss. Die Plattform nennt aktuell acht Jahre für Policies/Actions und zwei Jahre für KPI-Reporting.

Diese Regel ist EcoVadis-spezifisch und sollte nicht pauschal auf jede Kundenanfrage übertragen werden.

Für Ihr internes Evidence Register ist deshalb sinnvoll, nicht nur „Dokument vorhanden“, sondern auch „gültig“, „geprüft bis“ oder „zuletzt aktualisiert“ zu speichern.

11

Was tun, wenn ein Nachweis fehlt?

Nicht sofort ein Dokument erstellen. Zuerst herausfinden, warum er fehlt.

01

Die Praxis existiert und es gibt bereits einen Nachweis.

Dokument finden.
02

Die Praxis existiert, der Nachweis ist aber veraltet.

Prüfen, ob eine aktuelle Version existiert beziehungsweise aktualisiert werden muss.
03

Die Praxis existiert, wurde aber nie formal dokumentiert.

Geeignete Dokumentation kann vorbereitet und intern freigegeben werden.
04

Die Information existiert, benötigt aber eine Bestätigung.

Zuständige Person einbeziehen.
05

Die Praxis oder Information existiert tatsächlich nicht.

Gap.

Das letzte Ergebnis ist nicht automatisch ein Fehler. Es ist eine Information über den aktuellen Zustand des Unternehmens.

Ein sichtbarer Gap ist professioneller als ein Nachweis, der etwas belegen soll, das nicht existiert.

12

Welche Dokumente sind oft schwache ESG-Nachweise?

Nicht jedes Dokument, das das richtige Schlagwort enthält, ist automatisch belastbar. Besonders vorsichtig sollten Sie bei diesen Unterlagen sein:

Allgemeine Marketingbroschüren

Sie können Nachhaltigkeitsaktivitäten beschreiben, sind aber nicht automatisch formelle Nachweise für konkrete Prozesse oder KPIs.

Nicht freigegebene Vorlagen

Ein Policy Template ist noch keine verabschiedete Unternehmensrichtlinie.

Abgelaufene Zertifikate

Sie können historische Information liefern, belegen aber nicht automatisch einen aktuellen Zertifizierungsstatus.

Dokumente einer anderen Gesellschaft

Auch wenn beide Unternehmen zur gleichen Gruppe gehören.

Screenshots ohne Kontext

Wenn weder Quelle, Datum, Gesellschaft noch Bedeutung nachvollziehbar sind.

Dokumente mit widersprüchlichen Zahlen

Wenn zwei Dateien unterschiedliche Werte für denselben Zeitraum ausweisen, muss die Ursache zuerst geklärt werden.

Kopierte Richtlinien

Ein professionell klingendes Dokument ist kein glaubwürdiger Nachweis, wenn es nicht die tatsächliche Unternehmenspraxis beschreibt.

Die richtige Frage lautet nicht: „Können wir etwas hochladen?“

„Belegt dieses Dokument wirklich unsere Antwort?“

13

So strukturieren Sie Ihre ESG-Nachweise intern.

Sie brauchen dafür am Anfang keine komplexe Software. Eine einfache Struktur kann bereits viel bewirken.

Beispielstruktur

  • 01_Environment
  • 02_Employees_Health_Safety
  • 03_Ethics_Compliance
  • 04_Sustainable_Procurement
  • 05_GHG_Energy_Data
  • 06_Certificates
  • 07_Customer_Requests

Innerhalb der Struktur sollten Dokumente eindeutige Dateinamen haben. Statt „scan004_final_neu2.pdf“ besser „ISO14001_Werk-A_gueltig-bis-2027-06.pdf“ oder „Stromverbrauch_Werk-A_2025.xlsx“.

Im Evidence Register

Dokumentname
ESG-Thema
verantwortliche Person
Gesellschaft
Standort
Zeitraum
Gültigkeit
letzte interne Prüfung
unterstützte Aussagen
verwendete Kunden/Plattformen
Status

So wird aus einer Ablage eine wiederverwendbare Evidence Library.

14

Derselbe Nachweis kann wiederverwendbar sein – aber nicht blind.

Ein ISO-Zertifikat ändert sich nicht, nur weil der nächste Kunde einen anderen Fragebogen verwendet. Dasselbe gilt häufig für freigegebene Richtlinien, Emissionsberechnungen, Energieinformationen, Mitarbeiterkennzahlen, Prozesse, Zertifikate und bestimmte Auditunterlagen.

Deshalb lohnt es sich, einmal geprüfte Nachweise strukturiert aufzubewahren. Aber jeder Empfänger kann andere Anforderungen haben: EcoVadis kann andere Dokumentregeln anwenden als IntegrityNext, ein Kunde kann nach einem Werk fragen, der nächste nach der gesamten Unternehmensgruppe.

Wiederverwendbare Quelle bedeutet nicht automatisch wiederverwendbare Einreichung.

Bei jeder neuen Anfrage sollte erneut geprüft werden: Passt der Nachweis zur konkreten Aussage, zum Scope und zum Zeitraum?

15

EcoVadis und IntegrityNext gehen unterschiedlich mit Nachweisen um.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum Sie Ihre internen ESG-Unterlagen nicht nach nur einer Plattform strukturieren sollten.

EcoVadis

Bei der vollständigen EcoVadis-Bewertung spielen Supporting Documents eine zentrale Rolle. EcoVadis beschreibt die Bewertung als evidence-based und berücksichtigt Antworten auf Basis geeigneter Supporting Documentation. Dokumente sollen unter anderem relevant, aktuell, vollständig und dem Assessment Scope zuzuordnen sein.

EcoVadis-Unterstützung

IntegrityNext

Bei bestimmten IntegrityNext-Assessments kann ein passendes Zertifikat für ein zertifiziertes Managementsystem hochgeladen werden. Existiert kein entsprechendes Zertifikat, kann stattdessen der jeweilige Fragebogen beantwortet werden. IntegrityNext prüft eingehende Antworten und Dokumente und kann bei Unklarheiten oder Widersprüchen Nachbesserungen verlangen.

IntegrityNext-Unterstützung

Den vollständigen Ablauf nach einer Kundeneinladung erklären wir im Leitfaden IntegrityNext für Lieferanten.

Die praktische Konsequenz

Bauen Sie Ihre interne Evidence-Struktur um die Unternehmensrealität herum. Nicht um EcoVadis. Nicht um IntegrityNext. Nicht um den Fragebogen von Kunde A.

Dann können dieselben belastbaren Quellen später für unterschiedliche Anforderungen passend zugeordnet werden.

Welche Supporting Documents Sie innerhalb der plattformspezifischen Regeln priorisieren sollten, zeigt unser Leitfaden zu EcoVadis-Dokumenten und Nachweisen.

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Ein einfacher Evidence Check vor jeder Einreichung.

Bevor Sie einen Nachweis an einen Kunden oder eine Plattform senden, stellen Sie sich diese Fragen:

Relevanz
Belegt das Dokument tatsächlich die konkrete Aussage?
Unternehmen
Gilt es für die richtige Gesellschaft?
Standort
Ist der richtige Standort beziehungsweise Scope enthalten?
Zeitraum
Passt der Zeitraum zur Anfrage?
Aktualität
Ist der Nachweis noch gültig beziehungsweise fachlich aktuell?
Authentizität
Handelt es sich um einen echten Bestandteil der Unternehmensdokumentation?
Freigabe
Wenn es eine interne Richtlinie ist: Wurde sie tatsächlich verabschiedet?
Konsistenz
Widerspricht der Nachweis anderen Angaben, die Sie im selben Fragebogen machen?

Wenn eine dieser Fragen nicht klar beantwortet werden kann, sollte der Nachweis vor der Einreichung noch einmal geprüft werden.

Einzelnen Nachweis mit der interaktiven Checkliste prüfen
17

Was nach dem ersten Evidence Pack passiert.

Die erste strukturierte Sammlung kostet am meisten Zeit. Danach beginnt der eigentliche Vorteil.

Wo war noch einmal unsere ISO 14001?
Welche Zahl haben wir letztes Mal für Scope 2 verwendet?
Welche Version des Code of Conduct haben wir dem Kunden geschickt?

Stattdessen haben Sie:

  • geprüfte Quellen
  • dokumentierte Gültigkeiten
  • bekannte Verantwortliche
  • klare Datenzeiträume
  • wiederverwendbare Berechnungen
  • und bekannte Gaps

Der Wert einer guten Evidence-Struktur liegt darin, dass die nächste Anfrage nicht wieder bei null beginnt.

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Wann externe Unterstützung sinnvoll wird.

Ein einzelnes Zertifikat zu finden, erfordert normalerweise keine ESG-Beratung. Unterstützung wird interessanter, wenn:

  • ein umfangreicher Fragebogen viele Nachweise verlangt
  • mehrere Abteilungen beteiligt sind
  • unklar ist, welche Dokumente welche Aussagen tatsächlich stützen
  • EcoVadis oder IntegrityNext vorbereitet werden
  • Emissionsberechnungen fehlen
  • Policies noch nicht formalisiert sind
  • verschiedene Gesellschaften oder Standorte betroffen sind
  • oder Sie aus verstreuten Dokumenten eine wiederverwendbare Evidence-Struktur aufbauen möchten

Dann liegt die eigentliche Arbeit nicht im Hochladen von PDFs. Sie liegt in der Zuordnung:

Anforderung → Unternehmensinformation → Nachweis → Gap → Freigabe

Wie evipace diese Zuordnung prüft, beschreibt auch Unsere Methodik. Für den Ausgangspunkt einer Kundenanforderung finden Sie weitere Hinweise unter ESG-Anforderungen von Kunden.

Ihr nächster Schritt

Die Antworten sind da. Die Nachweise liegen überall?

Senden Sie uns die ESG-Anfrage, den Fragebogen und die Unterlagen, die bereits vorhanden sind.

Wir strukturieren, welche Aussagen welche Nachweise benötigen, welche Dokumente bereits passen und wo noch Informationen oder belastbare Evidence fehlen.

Zertifikate · Richtlinien · Berechnungen · Nachweise · Daten

FAQ

Häufige Fragen zu ESG-Nachweisen

Welche Dokumente gelten als ESG-Nachweis?

Das hängt von der konkreten Aussage ab. Typische Nachweise können Zertifikate, freigegebene Richtlinien, Berichte, KPI-Auswertungen, Rechnungen, Berechnungen, Auditunterlagen, Prozessdokumentation oder Schulungsnachweise sein. Entscheidend ist, dass das Dokument die konkrete Aussage tatsächlich unterstützt.

Braucht ein Lieferant ESG-Zertifikate?

Nicht pauschal. Manche Kunden oder Plattformen fragen nach bestimmten Zertifizierungen, aber viele ESG-Informationen werden durch andere Daten und Dokumente belegt. Bei IntegrityNext kann bei bestimmten Themen beispielsweise ein Fragebogen beantwortet werden, wenn kein entsprechendes Zertifikat vorhanden ist.

Kann ein Dokument mehrere Antworten belegen?

Ja, wenn es tatsächlich mehrere relevante Aussagen unterstützt. Trotzdem sollte für jede einzelne Antwort geprüft werden, welcher Teil des Dokuments die Aussage belegt und ob Scope und Zeitraum passen.

Kann eine fehlende ESG-Policy neu erstellt werden?

Ein Entwurf kann auf Basis der tatsächlichen Unternehmenspraxis erstellt werden. Er wird jedoch erst durch interne Prüfung und ausdrückliche Annahme durch eine autorisierte Person zur gültigen Unternehmensrichtlinie. Ein neu erstelltes Dokument sollte nicht als historisch bestehender Nachweis dargestellt werden.

Wie aktuell müssen ESG-Nachweise sein?

Das hängt vom Dokument und vom Empfänger ab. Zertifikate haben häufig eine feste Gültigkeit. Plattformen können zusätzliche Regeln haben. EcoVadis verwendet beispielsweise derzeit eigene Gültigkeitszeiträume für Policies, Actions und KPI-Reporting.

Können wir dieselben Nachweise für verschiedene Kunden verwenden?

Häufig ja. Die zugrunde liegenden Unternehmensdokumente können wiederverwendbar sein. Vor jeder Einreichung sollte jedoch erneut geprüft werden, ob das Dokument zum gefragten Unternehmen, Standort, Zeitraum und konkreten Informationsbedarf passt.

Was tun, wenn ein geforderter Nachweis nicht existiert?

Zuerst sollte geklärt werden, ob nur die Dokumentation fehlt oder ob auch die zugrunde liegende Unternehmenspraxis nicht existiert. Fehlt die Praxis tatsächlich, sollte der Punkt als Gap behandelt werden und nicht durch einen irreführenden Nachweis ersetzt werden.

Quellen & weiterführende Informationen