Scope 1 & 2 · Datenerfassung
Scope 1 und Scope 2: Welche Daten braucht man für die Berechnung?
Sie sollen die Scope-1- und Scope-2-Emissionen Ihres Unternehmens angeben.
Vielleicht für einen Kunden. Vielleicht für einen ESG-Fragebogen. Vielleicht für EcoVadis, IntegrityNext oder einen Nachhaltigkeitsbericht.
„Wir haben diese CO₂-Zahlen noch gar nicht.“
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Berechnung nicht möglich ist. Für den Einstieg brauchen Sie meistens zuerst die Aktivitätsdaten, aus denen Emissionen berechnet werden.
Welche Quellen gehören überhaupt in Scope 1 und Scope 2?
Quick Answer
Für Scope 1 und Scope 2 sollten Sie zuerst diese Daten sammeln.
Scope 1 · Direkte Quellen
- 01
Stationäre Brennstoffe
Erdgas, Heizöl, Flüssiggas, Generator-Diesel und andere Brennstoffe in Anlagen, Öfen oder Heizungen.
- 02
Eigener beziehungsweise kontrollierter Fuhrpark
Diesel, Benzin und andere Kraftstoffe.
- 03
Kältemittel
Verwendeter Kältemitteltyp und nachgefüllte beziehungsweise verlorene Menge.
- 04
Direkte Prozessemissionen
Falls diese im Produktionsprozess tatsächlich auftreten.
Scope 2 · Eingekaufte Energie
- 05
Eingekaufter Strom
kWh pro Standort, Zeitraum, Lieferant, Tarif beziehungsweise Beschaffungsinformation.
- 06
Eingekaufte Wärme, Kälte oder Dampf
Falls diese Energieformen vorhanden sind.
Für beide Scopes
- 07
Bilanzgrenze
Welche Gesellschaften, Standorte und Anlagen gehören in die Berechnung?
- 08
Berichtszeitraum
Zum Beispiel 1. Januar bis 31. Dezember 2025.
- 09
Quellen und Einheiten
Rechnung, Zählerwert, Tankkarte, ERP-Auswertung oder Wartungsprotokoll – plus verwendete Einheit.
- 10
Emissionsfaktor und Version
Welcher Faktor wurde für welchen Datenpunkt verwendet?
Nicht mit CO₂-Zahlen anfangen.
Beginnen Sie mit einer vollständigen Liste Ihrer Emissionsquellen.
Scope 1 und Scope 2 kurz erklärt.
Nach dem Greenhouse Gas Protocol sind Scope-1-Emissionen direkte Treibhausgasemissionen aus Quellen, die dem berichtenden Unternehmen gehören oder von ihm kontrolliert werden.
Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus der Erzeugung von eingekaufter oder anderweitig bezogener und vom Unternehmen verbrauchter Elektrizität, Wärme, Kälte und Dampf.
Scope 1
Emission entsteht bei Ihnen.
Beispiel: Gas wird in Ihrem Heizkessel verbrannt.
Scope 2
Energie wird bei Ihnen verbraucht.
Die Emission entsteht bei der Erzeugung außerhalb Ihres Unternehmens – etwa bei Strom aus dem öffentlichen Netz.
Diese Unterscheidung klingt einfach. In der Praxis wird sie erst dann sauber, wenn vorher geklärt wurde: Was gehört überhaupt zur Unternehmensbilanz?
Wenn die Anfrage aus einem Kundenfragebogen stammt, hilft zusätzlich der Leitfaden ESG-Fragebogen vom Kunden erhalten – was jetzt?.
Bevor Sie Daten sammeln: Legen Sie die Bilanzgrenze fest.
Ein häufiger Fehler ist, sofort Strom- und Gasrechnungen zusammenzurechnen. Vorher sollten Sie klären, welche Organisation eigentlich bilanziert wird.
- nur eine juristische Gesellschaft oder mehrere Gesellschaften
- ein bestimmter Produktionsstandort oder mehrere Werke
- gemietete Standorte
- eigener Fuhrpark oder geleaste Fahrzeuge
- eigene oder fremdbetriebene Anlagen
Der GHG Protocol Corporate Standard kennt verschiedene Ansätze zur organisatorischen Konsolidierung:
Der gewählte Ansatz beeinflusst, welche Aktivitäten innerhalb Ihrer Scope-1- und Scope-2-Grenze liegen, und sollte konsistent angewendet werden.
Praktische Frage
Welche Standorte, Anlagen und Aktivitäten gehören nach unserer gewählten Bilanzlogik tatsächlich zu diesem Inventory?
Erst danach wissen Sie, welche Rechnungen Sie sammeln müssen. Die methodische Grundlage beschreibt der GHG Protocol Corporate Standard.
Definieren Sie einen eindeutigen Berichtszeitraum.
Die zweite Grundentscheidung lautet: Für welches Jahr rechnen wir?
01.01.2025 – 31.12.2025
Oder bei abweichendem Geschäftsjahr der tatsächliche Unternehmenszeitraum.
Danach sollten Strom, Gas, Kraftstoffe, Wärme, Kältemittel und Prozessemissionen möglichst denselben Zeitraum abdecken.
Achten Sie besonders auf Rechnungen, die Zeiträume überschneiden. Umfasst eine Gasrechnung den Zeitraum 15.12.2024 bis 14.01.2025, sollte nicht automatisch der komplette Wert dem Jahr 2025 zugerechnet werden.
Das Ziel ist eine Berechnung, bei der klar bleibt, welcher Verbrauch welchem Zeitraum zugeordnet wurde.
Scope 1: Beginnen Sie mit stationärer Verbrennung.
Für viele Produktionsunternehmen ist das die erste große Scope-1-Datenquelle.
Dazu gehören Brennstoffe, die in eigenen oder kontrollierten stationären Anlagen verbrannt werden – etwa in Heizkesseln, Öfen, Brennern, Generatoren, Trocknungsanlagen oder bestimmten Produktionsanlagen.
GHG Protocol führt stationary combustion als eine der zentralen Scope-1-Quellkategorien.
Erdgas
- Aktivitätsdaten
- kWh, m³ oder andere Abrechnungseinheit
- Mögliche Datenquelle
- Gasrechnung
Heizöl
- Aktivitätsdaten
- Liter
- Mögliche Datenquelle
- Lieferrechnung / Tankbuch
Flüssiggas
- Aktivitätsdaten
- kg / Liter
- Mögliche Datenquelle
- Lieferantenrechnung
Diesel Generator
- Aktivitätsdaten
- Liter
- Mögliche Datenquelle
- Tankbeleg / internes Verbrauchsregister
andere Brennstoffe
- Aktivitätsdaten
- Menge + Einheit
- Mögliche Datenquelle
- Einkauf / Produktion
Wichtig
Nicht nur Eurobeträge sammeln.
Eine Rechnung über 18.430 € Erdgas ist deutlich schlechtere Ausgangsbasis als der tatsächlich abgerechnete Energieverbrauch.
Wo finden Sie Brennstoffdaten?
Bei kleineren Unternehmen liegen diese Informationen häufig nicht in einem ESG-System, sondern verteilt im Unternehmen.
Buchhaltung
Energie- und Lieferantenrechnungen, Heizöllieferungen, Kraftstoffrechnungen
Facility Management
Zählerstände, Heizungsdaten, Tankstände, Anlageninformationen
Produktion
Verbräuche bestimmter Maschinen oder Prozesse, interne Energieaufzeichnungen
Energiemanagement
strukturierte Verbrauchsdaten, Messstellen und Standortdaten – falls vorhanden
Die beste Datenquelle ist nicht automatisch dieselbe in jedem Unternehmen. Wenn beispielsweise ein geeichter Zähler einen belastbaren Jahresverbrauch liefert, kann dieser geeigneter sein als das manuelle Addieren einzelner Monatsrechnungen.
Scope 1: Fuhrpark und mobile Verbrennung.
Kraftstoff, der in Fahrzeugen verbrannt wird, die innerhalb Ihrer gewählten Unternehmensgrenze liegen, kann Scope 1 sein. GHG Protocol führt mobile combustion als eigene direkte Emissionsquelle.
Typische Daten
Diesel, Benzin, LPG, CNG oder andere Kraftstoffe – jeweils in der passenden physischen Einheit.
Mögliche Quellen
Tankkartenabrechnungen, Kraftstoffrechnungen, Fuhrparkmanagement, Tankbelege und Flottenauswertungen.
Am besten ist normalerweise die tatsächlich verbrauchte Kraftstoffmenge nach Kraftstoffart. Wenn diese nicht verfügbar ist, können je nach Methodik andere Ansätze notwendig werden – beispielsweise auf Basis von Fahrleistung und Fahrzeugdaten.
GHG Protocol nennt für mobile Verbrennung sowohl fuel- als auch distance-based data als mögliche Grundlagen. Weitere fachliche Erläuterungen enthält die Corporate Standard FAQ.
Elektrofahrzeuge sind nicht einfach „Scope 1 = null und fertig“.
Ein Elektrofahrzeug verbrennt im Fahrzeug selbst keinen Benzin- oder Dieselkraftstoff. Deshalb entstehen dort keine entsprechenden direkten Verbrennungsemissionen.
Scope 1
kein Dieselverbrauch
Scope 2
möglicher Ladestrom
Wenn das Unternehmen Strom zum Laden bezieht, gehört dieser Energieverbrauch – soweit innerhalb der gewählten Unternehmensgrenze – grundsätzlich in die Betrachtung der eingekauften Elektrizität.
Verhindern Sie, dass der Ladeverbrauch komplett vergessen oder gleichzeitig zweimal im Gebäude- und Fahrzeugstrom erfasst wird.
Scope 1: Kältemittel werden besonders häufig vergessen.
Für viele Produktionsunternehmen ist das einer der klassischen blinden Flecken. GHG Protocol zählt fugitive emissions ausdrücklich zu Scope 1 und nennt unter anderem Emissionen aus Kühl- und Klimaanlagen.
Relevant können sein
Klimaanlagen, Kälteanlagen, Wärmepumpen, Produktionskühlung, Kühlräume und andere technische Anlagen.
Typische Quellen
Wartungsprotokoll, Servicebericht, Kältemittelbuch oder Rechnung des Kälte-/Klimatechnikers.
Sie brauchen typischerweise den genauen Kältemitteltyp, die relevante Menge in kg, den Zeitraum und die Originalquelle.
„Klimaservice 940 €“ reicht nicht. Entscheidend ist: Welches Kältemittel – und wie viele Kilogramm?
Scope 1: Gibt es direkte Prozessemissionen?
Nicht jedes Produktionsunternehmen hat relevante Prozessemissionen. Bei manchen Branchen sind sie aber wesentlich.
GHG Protocol unterscheidet neben stationärer und mobiler Verbrennung auch process emissions, also direkte Emissionen aus physikalischen oder chemischen Produktionsprozessen.
- Entstehen Treibhausgase direkt durch einen Produktionsprozess?
- Werden relevante Industriegase eingesetzt?
- Gibt es chemische Reaktionen, die Treibhausgase freisetzen?
Für viele typische kleinere Fertigungsunternehmen lautet die Antwort möglicherweise „nein“ beziehungsweise „nicht wesentlich“. Aber dieser Punkt sollte geprüft und nicht einfach vergessen werden.
Scope 2: Stromverbrauch pro Standort sammeln.
Für die meisten Unternehmen ist eingekaufter Strom die wichtigste Scope-2-Quelle. GHG Protocol definiert Scope 2 als Emissionen aus der Erzeugung eingekaufter oder bezogener Elektrizität, Wärme, Kälte und Dampf, die das Unternehmen verbraucht.
Standort
- Beispiel
- Werk München
Zeitraum
- Beispiel
- 2025
Verbrauch
- Beispiel
- 842.000 kWh
Quelle
- Beispiel
- Jahresabrechnung
Lieferant
- Beispiel
- Energieversorger X
Tarif / Produkt
- Beispiel
- Vertrag Y
Beschaffungsnachweis
- Beispiel
- falls relevant vorhanden
Bei mehreren Standorten sollten Sie nicht sofort alles zusammenwerfen. Besser ist zunächst:
Standort → Stromverbrauch → Lieferant → Vertrag → Zeitraum
So können unterschiedliche Netze, Länder oder Beschaffungsverträge sauber behandelt werden. Die fachliche Einordnung finden Sie in der GHG Protocol Scope 2 Guidance.
Scope 2 besteht nicht nur aus Strom.
Prüfen Sie zusätzlich Fernwärme, Fernkälte, eingekauften Dampf und andere extern erzeugte und eingekaufte Energieformen, die unter Scope 2 fallen.
Typische Aktivitätsdaten sind kWh, MWh, GJ oder eine andere gelieferte Energiemenge. Mögliche Quellen sind Versorgerrechnungen, Wärmezähler, Nebenkostenabrechnungen, Energieverträge oder Standortabrechnungen.
Datenminimum
Menge + Einheit + Zeitraum + Standort + Quelle
Location-based und market-based: Warum brauchen Sie mehr als nur die Strommenge?
Bei Scope 2 gibt es einen wichtigen methodischen Unterschied.
Location-based
Die Berechnung basiert auf der durchschnittlichen Emissionsintensität des Stromnetzes beziehungsweise der relevanten geografischen Region.
Market-based
Soweit die Voraussetzungen erfüllt sind, werden geeignete vertragliche Instrumente beziehungsweise lieferantenspezifische Beschaffungsinformationen berücksichtigt.
Die aktuelle GHG Protocol Scope 2 Guidance enthält deshalb zwei Methoden und Qualitätskriterien für contractual instruments.
Für Strom sollten Sie neben der Verbrauchsmenge auch Lieferant, Produkt, lieferantenspezifische Emissionsinformationen, geeignete Energieattribute, geografische Region und Datenqualität prüfen.
Stromverbrauch ist der gemeinsame Ausgangspunkt. Der verwendete Emissionsfaktor kann sich je nach Methode unterscheiden. Praktische methodische Antworten bietet die GHG Protocol Scope 2 FAQ.
„Wir haben Ökostrom“ ist noch keine vollständige Scope-2-Berechnung.
Eine häufige Aussage lautet: „Unser Strom ist 100 % grün, also ist Scope 2 null.“ So pauschal sollte man nicht rechnen.
GHG Protocol stellt Anforderungen an vertragliche Instrumente, die für market-based Scope-2-Accounting verwendet werden können. Für location-based reporting bleibt außerdem die netzbezogene Emissionsintensität relevant.
Bei einem Grünstromvertrag sollten Sie mindestens dokumentieren:
- Verbrauch
- Lieferant
- Vertrags- und Produktinformationen
- relevante Energieattribute beziehungsweise Nachweise
- Zeitraum
- verwendete Berechnungsmethode
Nicht einfach „Ökostrom = 0“ in eine Excel-Zelle schreiben.
Welchen Strom-Emissionsfaktor soll man in Deutschland verwenden?
Dafür gibt es nicht eine Zahl, die für jedes Unternehmen, jedes Jahr und jede Scope-2-Methode automatisch richtig ist. Für location-based Berechnungen sind relevante Netz- beziehungsweise Strommixfaktoren wichtig.
Das Umweltbundesamt veröffentlicht regelmäßig Daten und Methodik zu den spezifischen Emissionen des deutschen Strommixes und aktualisierte die entsprechende Reihe für 2025 im März 2026.
Dokumentieren Sie den Faktor vollständig
- Quelle
- Zum Beispiel Umweltbundesamt oder eine andere fachlich geeignete Quelle.
- Version / Jahr
- Welcher Datensatz wurde verwendet?
- Einheit
- Zum Beispiel g/kWh oder kg/kWh.
- Methodischer Kontext
- CO₂ oder CO₂e, Systemgrenze und Scope-2-Methode.
Ein Emissionsfaktor ohne Quellenangabe ist später kaum nachvollziehbar. Die offizielle Reihe finden Sie beim Umweltbundesamt: deutscher Strommix 1990–2025.
Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor – aber mit Einheitenkontrolle.
Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor = Emissionen
10.000 Liter Kraftstoff
× kg CO₂e / Liter
= kg CO₂e
kg CO₂e ÷ 1.000 = t CO₂e
Genau hier passieren viele kleine Fehler: kWh werden mit einem Faktor pro MWh multipliziert, Liter und kg verwechselt, der Faktor für Erdgas auf Heizöl angewendet oder CO₂ und CO₂e vermischt.
Deshalb sollte jede Berechnungszeile mindestens enthalten:
Menge | Einheit | Faktor | Faktoreinheit | Ergebnis | Quelle
GHG Protocol beschreibt die Kombination aus Aktivitätsdaten und geeigneten Emissionsfaktoren als üblichen Berechnungsweg und empfiehlt, wo verfügbar, möglichst passende spezifische Daten gegenüber zu generischen Annahmen.
So kann eine Datenerfassungstabelle aussehen.
Noch bevor gerechnet wird, kann eine einfache Struktur verwendet werden:
Scope 1
Erdgas Heizung
- Standort
- Werk A
- Aktivitätswert
- 420.000
- Einheit
- kWh
- Datenquelle
- Gasrechnung
Scope 1
Diesel Fuhrpark
- Standort
- Unternehmen
- Aktivitätswert
- 18.400
- Einheit
- Liter
- Datenquelle
- Tankkarten
Scope 1
Kältemittel R410A
- Standort
- Werk A
- Aktivitätswert
- 2,5
- Einheit
- kg
- Datenquelle
- Servicebericht
Scope 2
Strom
- Standort
- Werk A
- Aktivitätswert
- 680.000
- Einheit
- kWh
- Datenquelle
- Jahresrechnung
Scope 2
Strom
- Standort
- Werk B
- Aktivitätswert
- 310.000
- Einheit
- kWh
- Datenquelle
- Monatsrechnungen
Scope 2
Fernwärme
- Standort
- Büro
- Aktivitätswert
- 42
- Einheit
- MWh
- Datenquelle
- Abrechnung
Erst danach werden Emissionsfaktor, Faktorquelle, Faktorversion, Berechnung, t CO₂e, Annahmen und Review-Status ergänzt. Für die reine Rohdatensammlung können Sie zusätzlich die Scope 1 & 2 Datenerfassungs-Vorlage nutzen.
Rohdaten und Berechnung bleiben voneinander getrennt. Das ist wesentlich leichter zu prüfen.
Wo liegen die Daten normalerweise im Unternehmen?
Buchhaltung / Controlling
Strom, Gas, Heizöl, Kraftstoff, Fernwärme und andere Energieeinkäufe
Facility / Technik
Zähler, Heizungs- und Kälteanlagen, Kältemittel, Generatoren und Standortdetails
Fuhrpark
Tankkarten, Fahrzeugliste, Kraftstoffarten und Fahrleistung
Produktion
Prozessbrennstoffe, Anlagen, spezielle Energieverbräuche und Prozessemissionen
Einkauf
Energieverträge, Lieferanteninformationen und Beschaffungsprodukte
Nachhaltigkeit / Qualität / Umwelt
bestehende Klimabilanzen, ISO-Unterlagen, Energiemanagement und dokumentierte Faktoren
Die Scope-1-&-2-Berechnung ist deshalb oft zuerst ein Datensammlungsprojekt.
Welche Originalunterlagen sollten Sie aufbewahren?
Nicht nur die finale Excel-Datei. Für jeden wesentlichen Datenpunkt sollte nachvollziehbar bleiben, woher er stammt.
Energie
Jahres- und Monatsrechnung, Zählerauswertung
Kraftstoff
Tankkartenübersicht, Lieferantenabrechnung
Heizöl
Lieferrechnungen, Tankbuch
Kältemittel
Wartungs- und Serviceprotokoll, Anlagenregister
Strombeschaffung
Energievertrag, Versorgerinformation, Beschaffungsnachweise
Emissionsfaktor
Quelle, Veröffentlichungsjahr, Tabelle und Version
Idealer Audit Trail
Ergebnis → Berechnung → Faktor → Aktivitätsdaten → Originalquelle
Nicht: „Die Zahl stand letztes Jahr schon in dieser Excel-Datei.“ Wie Sie Quellen als wiederverwendbare Evidence strukturieren, zeigt unser Leitfaden zu ESG-Nachweisen für Lieferanten.
Was tun, wenn Daten fehlen?
Das ist normal. Aber zuerst sollte unterschieden werden, was genau fehlt.
Rechnung fehlt, Zählerwert existiert
Alternative belastbare Quelle verwenden.
Einzelne Monate fehlen
Datenlücke identifizieren und sachgerecht behandeln.
Kraftstoffliter fehlen, Fahrleistung existiert
Prüfen, ob eine methodisch geeignete Ersatzberechnung möglich ist.
Kältemittelmenge fehlt
Serviceunternehmen beziehungsweise Wartungsunterlagen prüfen.
Nur der Gesamtgebäudeverbrauch ist bekannt
Bilanzgrenze und mögliche Zuordnung klären.
Daten existieren tatsächlich nicht
Gap dokumentieren und gegebenenfalls transparent schätzen, wenn methodisch angemessen.
GHG Protocol erkennt an, dass bei fehlenden direkten Aktivitätsdaten Schätzungen notwendig sein können. Der Ansatz sollte zur verfügbaren Datenqualität und zum Reporting-Kontext passen.
Eine dokumentierte Schätzung ist besser als eine versteckte Vermutung.
Gemietete Gebäude und geleaste Assets: Nicht automatisch ausschließen.
„Das Gebäude gehört uns nicht, also gehört der Strom nicht in unsere Bilanz.“ So einfach ist es nicht.
Die Einordnung geleaster Assets hängt unter anderem von der gewählten organisatorischen Konsolidierungslogik und dem Kontrollverhältnis ab. GHG Protocol beschreibt beispielsweise, dass beim operational-control-Ansatz Energieverbrauch in gemieteten Räumen unter bestimmten Bedingungen innerhalb von Scope 2 liegen kann; andere Leasingkonstellationen können anders eingeordnet werden.
- Wer kontrolliert den Betrieb?
- Wer bezieht beziehungsweise verbraucht die Energie?
- Wie lautet die gewählte Boundary-Methode?
- Wie wird Energie abgerechnet?
Eigentum allein entscheidet nicht immer über den Scope. Beachten Sie dazu auch die Hinweise zu leased assets in der Scope 2 FAQ.
Scope 1 und 2 sind nicht automatisch der komplette Corporate Carbon Footprint.
Scope 1 und Scope 2 erfassen wichtige direkte beziehungsweise energiebezogene Emissionen. Andere Emissionen können jedoch unter Scope 3 liegen.
Noch unsicher, wie sich direkte Emissionen, eingekaufte Energie und die Wertschöpfungskette unterscheiden? Unser Grundlagenleitfaden erklärt Scope 1, 2 und 3 mit konkreten Unternehmensbeispielen.
- eingekaufte Materialien
- externe Transporte
- Geschäftsreisen und Pendeln
- Abfall
- vorgelagerte Brennstoff- und Energieemissionen
- Lieferkette
- Nutzung verkaufter Produkte
GHG Protocol definiert Scope 3 als die übrigen indirekten Emissionen der Wertschöpfungskette, die nicht in Scope 2 enthalten sind.
Präzise Aussage
„Wir haben Scope 1 und Scope 2 für die definierte Bilanzgrenze und den definierten Zeitraum berechnet.“
Wenn die Zahlen anschließend in einen freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht einfließen, finden Sie die passende Leistung unter VSME-Nachhaltigkeitsbericht.
Welche fünf Informationen sollte jede Berechnung dokumentieren?
- 01
Bilanzgrenze
Welche Gesellschaften, Standorte und Quellen sind enthalten?
- 02
Zeitraum
Für welches Berichtsjahr?
- 03
Aktivitätsdaten
Welche Mengen wurden verwendet?
- 04
Emissionsfaktoren
Welche Quelle, Version und Einheit?
- 05
Annahmen und Datenlücken
Wo waren Zuordnungen, Schätzungen oder methodische Entscheidungen nötig?
Danach kann eine andere Person die Berechnung nachvollziehen. Genau das ist der Unterschied zwischen einer CO₂-Zahl und einer belastbaren Berechnungsgrundlage.
Acht typische Fehler bei der Datensammlung.
01
Nur Eurobeträge sammeln
Besser tatsächliche Mengen: kWh, Liter, kg, MWh.
02
Einen Standort vergessen
Auch kleinere Lager, Büros oder Produktionsstätten prüfen.
03
Kältemittel ignorieren
Sie sind eine häufig übersehene direkte Emissionsquelle.
04
Strom aller Jahre vermischen
Berichtsperiode sauber halten.
05
Ökostrom automatisch mit null bewerten
Scope-2-Methode und Vertragsinformationen prüfen.
06
Einheiten nicht standardisieren
kWh sind nicht MWh.
07
Faktor ohne Quelle speichern
Sonst ist die Berechnung schlecht reproduzierbar.
08
Ergebnis überschreiben
Rohdaten und Originalquelle getrennt erhalten.
Eine praktische Checkliste für die ersten zwei Stunden.
Wenn Sie heute mit Scope 1 und Scope 2 beginnen:
- 01Berichtsjahr festlegen.
- 02Gesellschaften und Standorte auflisten.
- 03Alle stationären Brennstoffquellen erfassen.
- 04Fuhrpark prüfen.
- 05Kälte- und Klimaanlagen prüfen.
- 06Mögliche Prozessemissionen prüfen.
- 07Stromverbrauch pro Standort sammeln.
- 08Fernwärme, Fernkälte und Dampf prüfen.
- 09Verträge und Beschaffungsinformationen zum Strom sichern.
- 10Für jeden Datenpunkt Quelle und Einheit dokumentieren.
Erst danach sollten Sie anfangen, Emissionsfaktoren einzusetzen.
Scope-2-Regeln werden derzeit weiterentwickelt – was bedeutet das für eine Berechnung 2026?
GHG Protocol arbeitet derzeit gemeinsam mit ISO an einer umfassenderen Überarbeitung der Corporate-GHG-Standards.
Im Bereich Scope 2 wurden 2025/26 vorgeschlagene Änderungen öffentlich konsultiert. Diese betreffen unter anderem die location-based und market-based Methodik. Die Vorschläge sind jedoch nicht als bereits geltende neue Regeln zu behandeln.
HEUTE
Aktuell anwendbare Methodik
Q2 2027
Gemeinsame öffentliche Konsultation geplant
Q4 2028
Finaler harmonisierter Corporate Standard vorgesehen
Für eine heutige Berechnung bedeutet das: mit der aktuell anwendbaren Methodik arbeiten und Quellen, Faktoren, Verträge sowie Berechnungslogik so dokumentieren, dass spätere Updates nachvollziehbar umgesetzt werden können.
Die Zeitplanung stammt aus dem offiziellen GHG Protocol Standards Update vom Juli 2026 und der zugehörigen FAQ zum Entwicklungsplan. Wie evipace methodische Entscheidungen transparent behandelt, erklären wir unter Unsere Methodik.
Wann externe Unterstützung sinnvoll wird.
Für ein Unternehmen mit einem Standort, einer Gasrechnung, einer Stromrechnung und wenigen Fahrzeugen kann eine erste Scope-1-&-2-Berechnung relativ überschaubar sein.
Unterstützung wird sinnvoller, wenn:
- mehrere Standorte oder Länder betroffen sind
- die Bilanzgrenze unklar ist
- mehrere Energieverträge bestehen
- Kältemittel oder Prozessemissionen relevant sind
- Datenlücken bestehen
- market-based Scope 2 benötigt wird
- die Berechnung für einen Kunden oder ein Assessment nachvollziehbar dokumentiert werden soll
- die Daten später für VSME, ESG-Fragebögen und andere Anforderungen wiederverwendet werden sollen
Welche weiteren Daten neben Scope 1 und Scope 2 für den Bericht benötigt werden, zeigt unser Leitfaden zur VSME-Datenerfassung.
Plattformspezifisch können die Daten etwa für EcoVadis-Dokumente und Nachweise oder eine IntegrityNext-Einladung relevant werden.
Boundary → Quellen → Aktivitätsdaten → Faktoren → Berechnung → Review → Evidence
Ihr nächster Schritt
Sie haben die Verbrauchsdaten – aber noch keine Scope-1-&-2-Berechnung?
Senden Sie uns die vorhandenen Unterlagen.
Wir strukturieren die relevanten Emissionsquellen, prüfen die Datengrundlage und erstellen eine nachvollziehbare Scope-1- und Scope-2-Berechnung mit dokumentierten Quellen, Faktoren und offenen Datenlücken.
Strom · Erdgas · Kraftstoffe · Kältemittel · Wärme · Emissionsfaktoren
FAQ
Häufige Fragen zur Scope-1-&-2-Datenerfassung
Welche Daten brauche ich für Scope 1?
Typischerweise benötigen Sie Daten zu Brennstoffen in eigenen oder kontrollierten Anlagen, Kraftstoffverbrauch im relevanten Fuhrpark, Kältemitteln und – falls für Ihr Unternehmen relevant – direkten Prozessemissionen. Welche Quellen enthalten sind, hängt von Ihrer organisatorischen Bilanzgrenze ab.
Welche Daten brauche ich für Scope 2?
Vor allem den Verbrauch eingekaufter Elektrizität sowie – falls vorhanden – eingekaufter Wärme, Kälte und Dampf. Zusätzlich können für market-based Scope 2 Informationen über Energieverträge und geeignete vertragliche Instrumente erforderlich sein.
Reichen Strom- und Gasrechnungen?
Für einfache Unternehmen können sie einen großen Teil der benötigten Aktivitätsdaten liefern. Zusätzlich sollten jedoch beispielsweise Fuhrpark, Kältemittel, weitere Brennstoffe, Wärme/Kälte/Dampf und mögliche Prozessemissionen geprüft werden.
Brauche ich die Rechnungsbeträge in Euro?
Für emissionsbasierte Berechnungen sind physische Aktivitätsdaten wie kWh, Liter, kg oder MWh normalerweise wesentlich geeigneter. GHG Protocol beschreibt Aktivitätsdaten in Kombination mit Emissionsfaktoren als verbreiteten Berechnungsansatz.
Gehören Kältemittel zu Scope 1?
Fugitive Emissionen aus Kühl- und Klimaanlagen können Scope-1-Emissionen sein. Deshalb sollten Kältemitteltyp und relevante Mengen aus Wartungs- oder Serviceunterlagen geprüft werden.
Gehört Ökostrom zu Scope 2?
Ja, der Stromverbrauch bleibt Teil der Scope-2-Betrachtung. Wie die Emissionen bilanziert werden, hängt unter anderem von location-based und market-based Methodik sowie den vorhandenen contractual instruments ab.
Muss ich Scope 2 location-based und market-based berechnen?
Die aktuelle GHG Protocol Scope 2 Guidance sieht dual reporting für Unternehmen in Märkten vor, in denen produkt- oder lieferantenspezifische Daten über geeignete contractual instruments verfügbar sind. Welche Anforderungen für Ihren konkreten Bericht gelten, hängt zusätzlich vom verwendeten Reporting Framework beziehungsweise Kundenrequest ab.
Was mache ich, wenn Verbrauchsdaten fehlen?
Zuerst sollte nach alternativen Primärquellen gesucht werden. Wenn Daten tatsächlich fehlen, kann je nach Quelle eine transparente Schätzung oder Proxy-Methode erforderlich sein. Die Annahme sollte dokumentiert werden und nicht als gemessener Wert dargestellt werden.
Ist Scope 1 plus Scope 2 mein gesamter CO₂-Fußabdruck?
Nicht zwingend. Scope 3 umfasst weitere indirekte Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette und kann je nach Unternehmen erhebliche zusätzliche Quellen enthalten.
Garantiert evipace, dass ein Kunde die Berechnung akzeptiert?
Nein. Evipace kann die Berechnung strukturiert vorbereiten und Quellen, Faktoren, Annahmen und Datenlücken dokumentieren. Die konkreten Anforderungen und die finale Akzeptanz liegen jedoch beim jeweiligen Kunden, Standard, Assessment oder Empfänger.
Quellen & weiterführende Informationen
- GHG Protocol — Corporate Standard
Definitionen, organisatorische Bilanzgrenzen und Grundlagen des Corporate GHG Inventory.
- GHG Protocol — Corporate Standard FAQ
Stationary und mobile combustion, process und fugitive emissions sowie Berechnungsgrundlagen.
- GHG Protocol — Scope 2 Guidance
Elektrizität, Dampf, Wärme und Kälte sowie das location-based und market-based Framework.
- GHG Protocol — Scope 2 FAQ
Methodische Hinweise für market-based electricity und geleaste Assets.
- Umweltbundesamt — Treibhausgas-Emissionen des deutschen Strommix 1990–2025
Offizielle deutsche Daten und Methodik zur Entwicklung des nationalen Strommixes.
- GHG Protocol — Corporate Standards Update vom Juli 2026
Status und Zeitplan der gemeinsamen Standardentwicklung mit ISO.
- GHG Protocol — FAQ zum Standards Update
Einordnung der Konsultation und des vorgesehenen Veröffentlichungszeitplans.